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BS7-Roadmap

BS7-Checkliste 2027: Zehn Schritte zur Migrationsentscheidung

BS7-Checkliste Migration 2027 SAP ERP Extended Maintenance Cloud ERP Entscheidungsmatrix

Ende 2027 endet Mainstream Maintenance für SAP ERP 6.0 EhP 6-8. Das ist weniger als anderthalb Jahre entfernt. Wer diese Frist unvorbereitet erreicht, hat ab dem 1. Januar 2028 eine Entscheidung getroffen, ohne sie bewusst getroffen zu haben: Extended Maintenance mit einem Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die gesamte Maintenance Base, oder eine Transition Option mit 20 Prozent Aufschlag und Pflicht-Erfolgsplan bis 2033.

Die Weiche lässt sich noch stellen. Aber dafür müssen bestimmte Fragen jetzt beantwortet werden, nicht kurz vor Jahresende 2027.

Diese Checkliste strukturiert, was Sie als Director SAP Plattform in den nächsten Monaten klären müssen, damit die Entscheidung auf belastbaren Daten beruht und nicht unter Zeitdruck fällt.


Schritt 1: Prüfen Sie, welche EhP-Version Sie betreiben

Das klingt trivial, ist es aber nicht immer. Nicht jede SAP-Landschaft ist sauber dokumentiert.

EhP 6, 7 und 8 haben Mainstream Maintenance bis Ende 2027. EhP 0 bis 5 hatten ihr Mainstream-Ende bereits Ende 2025 und laufen seitdem unter Customer-Specific Maintenance (CSM). Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Systeme auf EhP 6 oder höher laufen, ist das der erste Schritt: SAP Readiness Check oder ein direkter Blick in Ihre System-Dokumentation.

Steuerungsmoment Infrastruktur: Bevor Sie über Optionen nachdenken, müssen Sie wissen, welche Optionen Sie überhaupt haben.


Schritt 2: Inventarisieren Sie Ihre gesamte SAP-Landschaft

Extended Maintenance gilt nicht für einzelne Systeme. Es ist eine All-or-Nothing-Regel: Entweder melden Sie die gesamte BS7-Landschaft (alle Core Applications, Add-ons, Runtime DB), oder Sie melden gar keine.

Das bedeutet: Sie brauchen jetzt eine vollständige Liste aller produktiven SAP-ERP-Systeme, ihrer Add-ons und der zugehörigen Maintenance-Verträge. Häufig sind an dieser Stelle Drittmartungsverträge, AMS-Verträge oder separate Support-Vereinbarungen nicht sauber erfasst.

Steuerungsmoment Nutzung: Was nicht im Inventar steht, wird übersehen. Was übersehen wird, erzeugt später Überraschungen in der Abrechnung.


Schritt 3: Ermitteln Sie Ihre aktuelle Maintenance Base

Die Maintenance Base ist die Berechnungsgrundlage für den Extended-Maintenance-Aufschlag. Bei einem Standardsatz von 22 Prozent Enterprise Support ergibt sich mit Extended Maintenance eine Gesamtrate von 24 Prozent. Klingt wenig, bis man die Basis ansieht.

Wenn Ihre Maintenance Base bei einer Million Euro liegt, sind das 20.000 Euro Mehrkosten pro Jahr allein durch den Aufschlag. Bei drei Millionen Euro Basis: 60.000 Euro.

Fordern Sie die aktuelle Maintenance Base aus Ihrem SAP-Vertrag an und prüfen Sie, welche Produkte darin enthalten sind. Viele Unternehmen stellen in diesem Schritt fest, dass ihre Basis Produkte enthält, die schon lange nicht mehr aktiv genutzt werden.

Steuerungsmoment Kosten: Wer die Basis kennt, kann sie vor dem Stichtag gezielt reduzieren.


Schritt 4: Identifizieren Sie nicht mehr benötigte Nutzungsrechte

Bevor Extended Maintenance in Kraft tritt, haben Sie die Möglichkeit, nicht mehr benötigte Nutzungsrechte aufzugeben. Das reduziert die Maintenance Base und damit den Aufschlag direkt.

Konkrete Ansatzpunkte: Deaktivierte BO-Module, Engines die unter S/4HANA bereits anders lizenziert sind, BW-User die auf einem Bruchteil des lizenzierten Volumens liegen. Das Rechenbeispiel aus der SAP-Praxis zeigt, wie weit das gehen kann: eine Basis von einer Million Euro auf 30.000 Euro zu reduzieren ist möglich, wenn systematisch vorgegangen wird.

Dieser Schritt braucht Zeit, weil er eine genaue Analyse der tatsächlichen Systemnutzung voraussetzt, nicht nur der Verträge. Planen Sie drei bis sechs Monate ein.

Steuerungsmoment Kosten: Wer jetzt nicht hinschaut, zahlt den Aufschlag auf eine Basis, die sich noch reduzieren ließ.


Schritt 5: Prüfen Sie Ihre Add-ons auf Transition-Option-Tauglichkeit

Wenn Sie erwägen, die Transition Option (On-Premise-Betrieb bis Ende 2033) in Anspruch zu nehmen, müssen Sie wissen, welche Add-ons darin unterstützt werden und welche nicht.

Die Transition Option unterstützt nur EhP 7 und EhP 8. Ältere EhP-Versionen müssen vorher gehoben werden, bevor eine Subskription möglich ist. Und nicht jedes Add-on ist in der Transition Option verfügbar: Die Liste umfasst Kategorien wie Supply Chain (EWM 9.5, APO 7.0 Connector), Finance (Revenue Accounting, Treasury), HCM (HR Renewal, SuccessFactors EC Integration), Compliance (Global Invoicing) und Integration (C4C, CPQ, PLM).

Add-ons, die kein S/4HANA-Äquivalent haben und nicht in der Transition Option gelistet sind, stellen einen separaten Entscheidungspfad dar. Je früher Sie diese identifizieren, desto mehr Handlungsspielraum bleibt.

Steuerungsmoment Berechtigungen: Rollendesign und Add-on-Tauglichkeit bestimmen den vertraglichen Spielraum im Übergangszeitraum.


Schritt 6: Klären Sie Ihre Cloud-Bereitschaft mit einem Zeithorizont

Die Frage ist nicht: Wollen wir irgendwann in die Cloud? Die Frage ist: Können wir bis zum 1. Januar 2028 alle Systeme in RISE Private Cloud Edition (PCE) überführen?

Wenn ja, ist Extended Maintenance im RISE-Subscription-Preis enthalten. Wenn nein, brauchen Sie entweder Extended Maintenance als separates Addendum oder die Transition Option.

Bewerten Sie realistisch, was eine vollständige Migration bis Ende 2027 bedeutet: Welche Systeme, welche Geschäftsprozesse, welche Abhängigkeiten. Wenn einzelne Systeme bereit sind und andere nicht, sind Sie im Hybrid-Szenario. Auch das hat vertragliche Konsequenzen, die separat geregelt werden müssen.

Steuerungsmoment Infrastruktur: Ein Migrationsplan ohne Zeithorizont ist kein Plan. Es ist eine Absicht.


Schritt 7: Prüfen Sie Ihre On-Premise-Credits gegen RISE-ACV

Wenn Sie eine Migration zu RISE planen, haben Sie als bestehender SAP-ERP-Kunde die Möglichkeit, über das Cloud Extension Program bestehende Maintenance-Investitionen als Credits anzurechnen. Drei Credit-Typen sind relevant: Maintenance Credits, Service Credits, Cloud Credits.

Die Höhe ist verhandlungsabhängig und davon abhängig, wann Sie in die Verhandlung einsteigen. Je früher, desto mehr Handlungsspielraum besteht. Was nicht automatisch angerechnet wird: Add-ons, AMS-Verträge, Drittverträge.

Klären Sie jetzt, welche Credits für Ihr Portfolio grundsätzlich in Frage kommen. Das gibt Ihnen einen Verhandlungsansatz für das Gespräch mit SAP.

Steuerungsmoment Kosten: Wer Credits nicht einfordert, lässt Investitionsanrechnung liegen, die rechtlich möglich gewesen wäre.


Schritt 8: Berechnen Sie alle drei Szenarien mit konkreten Zahlen

Erst wenn Sie Ihre Maintenance Base kennen, Ihre Add-on-Situation geklärt haben und wissen, welche Cloud-Optionen realistisch sind, können Sie die Szenarien gegeneinander rechnen.

Die vier Szenarien aus dem BS7-Framework:

Szenario 1: Gesamte Landschaft auf RISE/PCE bis 01.01.2028. Extended Maintenance ist im Subscription-Preis enthalten. Voraussetzung: lückenlose Überführung aller Systeme.

Szenario 2: Komplett On-Premise. Extended Maintenance als Addendum mit +2 Prozentpunkten auf die gesamte Maintenance Base, 01.01.2028 bis 31.12.2030.

Szenario 3 und 4: S/4HANA Contract Conversion oder Product Conversion. Nicht mehr benötigte Nutzungsrechte aufgeben, die verbleibende Basis als Grundlage für Extended Maintenance verwenden.

Rechnen Sie alle Szenarien auf Basis Ihrer tatsächlichen Vertragsdaten durch. Abstrakte Prozentsätze helfen wenig. Konkrete Euro-Beträge schon.

Steuerungsmoment Kosten: Wer die Szenarien nicht quantifiziert, kann keine fundierte Entscheidung treffen.


Schritt 9: Definieren Sie eine interne Entscheidungsdeadline

Der offizielle Stichtag ist Ende 2027. Ihre interne Entscheidungsdeadline sollte deutlich früher liegen.

Warum: Verhandlungen mit SAP über Credits, Transition-Option-Subskription (Fenster: 2028 bis 2030, also frühestens Januar 2028) oder RISE-Vertragsstruktur brauchen Vorlauf. Interne Freigabeprozesse, Budgetplanung und IT-Roadmap müssen abgestimmt werden. Projekte für die Migration oder Konvertierung müssen beauftragt werden.

Eine realistische interne Entscheidungsdeadline für eine Weichenentscheidung dieses Ausmaßes liegt 12 bis 18 Monate vor dem technischen Stichtag. Das bedeutet: Ende 2025 bis Mitte 2026. Wer erst 2027 entscheidet, entscheidet unter Zeitdruck und verliert Verhandlungsposition.

Steuerungsmoment Kosten: Zeitdruck bei Vertragsverhandlungen wirkt sich direkt auf das Ergebnis aus.


Schritt 10: Verankern Sie die laufende Steuerung nach der Entscheidung

Die Migrationsentscheidung ist ein Projekt. Die Vertragssteuerung danach ist eine Dauerdisziplin.

Egal welches Szenario Sie wählen: Nach der Entscheidung beginnt eine Phase, in der Vertragsdetails laufend relevant werden. FUE-Verschiebungen zwischen On-Premise und Cloud während der Dual-Use-Periode. ACV-Entwicklung im Ramp-up. Credit-Verrechnung. SLA-Abgleich beim Übergang auf den Hyperscaler. Maintenance-Abgrenzung zwischen On-Prem-Wartung und RISE-Subscription.

Wer diese Steuerungsmomente in die Unternehmensorganisation integriert hat, bevor das Projekt beginnt, hat nach dem Go-Live keine Lücken im Wissenstransfer.

Steuerungsmoment Nutzung, Berechtigungen, Infrastruktur, Kosten: Alle vier Bereiche der Vertragssteuerung verändern sich in der Migrationsphase gleichzeitig. Das ist kein Ausnahmezustand, sondern der normale Betrieb während eines strukturellen Übergangs.


Was jetzt konkret zu tun ist

Die ersten fünf Schritte dieser Checkliste setzen keine finale Entscheidung voraus. Sie liefern die Datenbasis, auf der eine fundierte Entscheidung möglich wird. Damit lässt sich heute beginnen, unabhängig davon, welches Szenario am Ende gewählt wird.

Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Maintenance Base Optimierungspotenzial hat, welche Credits in Ihrem Fall realistisch sind und welches Szenario unter Ihren Vertragsbedingungen am besten passt: Ein Vertragscheck gibt Ihnen Klarheit in vier Wochen. Festpreis, keine laufende Verpflichtung.


Weiterführend: SAP On-Premise Migration: Maintenance-Ende 2027, Transition Option und Vertragssteuerung: der vollständige Pillar mit allen Optionen, Fristen und Vertragsmechaniken.

Autor: Bernhard Mändle, FinOptory

Naechste Schritte

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Dieser Beitrag gehört zum Themen-Hub On-Premise-Migration und SAP Transition Option. Für die Bewertung eines konkreten Vertrags liefert der FinOptory Vertragscheck in vier Wochen eine strukturierte Grundlage.

Bernhard Maendle
Verfasst von Bernhard Maendle Managing Consultant, FinOptory fuer SAP

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026