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BS7-Roadmap

BS7-Wartungsende 2027: Drei Szenarien und ihre Entscheidungsmatrix

BS7 Wartungsende 2027 SAP ERP Extended Maintenance Cloud ERP Transition Option

Das Datum steht fest: Am 31. Dezember 2027 endet Mainstream Maintenance für SAP ERP 6.0 EhP 6-8. Ab dem 1. Januar 2028 beginnt eine neue Vertragsperiode mit veränderten Bedingungen. Wer bis dahin keine Entscheidung getroffen hat, tritt automatisch in Extended Maintenance ein: gesamte Landschaft, kein Cherry-Picking, +2 Prozentpunkte auf die Maintenance Base.

Diese Entscheidung fällt nicht am Stichtag. Sie braucht Vorlauf: technische Bewertung, Lizenzbestandsaufnahme, Vertragsverhandlung. Wer Ende 2025 noch nicht in der Analyse ist, gerät unter Druck. Der folgende Artikel beschreibt die drei verfügbaren Szenarien, ihre jeweilige Vertragsmechanik und welche Informationen vorliegen müssen, bevor eine Weiche gestellt werden kann.


Die Maintenance-Timeline im Überblick

Bevor die Szenarien bewertet werden, lohnt ein Blick auf die vollständige Fristenkette. Denn nicht alle EHP-Versionen laufen gleich lang.

DatumEreignis
Ende 2025End of Compatibility Scope für nicht qualifizierte On-Prem-S/4HANA-Systeme
31.12.2027End of Mainstream Maintenance für SAP ERP 6.0 EhP 6-8 und Solution Manager 7.2
01.01.2028Start Extended Maintenance (+2% On-Prem); Stichtag für RISE/PCE-Bedingung
31.12.2030Ende Extended Maintenance, Ende SolMan Extended, Ende Compatibility Scope Cloud
2031-2033Transition Option (max. 3 Jahre, 20% Aufschlag, Max Success Plan Pflicht)

Wichtig: EhP 0-5 ist bereits 2025 aus dem Mainstream Maintenance-Zyklus gefallen und läuft seither unter Customer-Specific Maintenance. Wer noch EhP 0-5 betreibt, steht vor einem anderen, dringenderen Problem. Dieser Artikel konzentriert sich auf EhP 6-8, die aktuelle Mainstream-Basis der meisten Bestandskunden.

Solution Manager 7.2 folgt der BS7-Strategie direkt: Mainstream bis Ende 2027, Extended bis Ende 2030. Ab 2031 gibt es kein neues SolMan-Release mehr. Der Nachfolger ist SAP Cloud ALM.

Was Mainstream Maintenance bis Ende 2027 leistet: Legal Changes, Support Packages, Problem Resolution. Kein Funktionswachstum, kein AI-Zugang, kein Cloud-Pfad. Wer auf eine Erweiterung der Mainstream-Leistung hofft, wird enttäuscht.


Szenario 1: Gesamte Landschaft auf RISE (PCE) bis 01.01.2028

Das erste Szenario ist das einzige, das den Extended-Maintenance-Aufschlag vollständig vermeidet. Voraussetzung: Alle relevanten Systeme sind bis zum 1. Januar 2028 in SAP ERP Private Cloud Edition (PCE) überführt.

Für PCE-Kunden ist Extended Maintenance im Subscription-Preis enthalten. Kein separates Addendum, kein Aufschlag auf eine Maintenance Base, kein All-or-Nothing-Problem. Die Vertragslogik von RISE unterscheidet sich grundlegend von On-Prem: Der ACV (Annual Contract Value) umfasst Infrastruktur, Maintenance und Support in einem Paket.

Das klingt einfacher als es ist. Eine vollständige Migration bis 01.01.2028 setzt voraus, dass das Projekt spätestens Mitte 2025 aufgesetzt wurde und ohne wesentliche Verzögerungen läuft. Für Unternehmen mit komplexen, gewachsenen SAP-Landschaften ist dieser Zeitrahmen eng. Wer Add-ons hat, die nicht in PCE unterstützt werden, oder wer regulatorische Anforderungen an den On-Prem-Betrieb erfüllen muss, sollte Szenario 1 nicht als Selbstverständlichkeit planen.

Der Steuerungsmoment für Szenario 1 liegt in der Infrastruktur: System Sizing, Hyperscaler-Wahl, SLA-Abgleich zwischen On-Prem-SLA und RISE-SLA. Diese Parameter müssen vor Vertragsabschluss feststehen, weil sie den ACV direkt bestimmen. Was danach kommt, ist Vertragssteuerung nach der Unterschrift, nicht mehr Migrationsplanung.


Szenario 2: Extended Maintenance On-Prem

Wer bis 01.01.2028 noch On-Premise betreibt, tritt in Extended Maintenance ein. Automatisch, wenn kein anderer Vertrag vorliegt.

Extended Maintenance ist kein automatischer Folgeschritt ohne Kosten. Es handelt sich um ein kostenpflichtiges Addendum zum bestehenden Wartungsvertrag. Die Preisstruktur: +2 Prozentpunkte auf die Maintenance Base aller BS7 Core Applications, Add-ons und Runtime DB.

Ein Beispiel aus der Praxis: Wer bisher 22% Enterprise Support zahlt, zahlt ab 2028 24% auf dieselbe Basis. Bei einer Maintenance Base von 1 Mio. EUR bedeutet das 20.000 EUR zusätzlich pro Jahr, allein für den Aufschlag. Bei größeren Landschaften sind die absoluten Beträge entsprechend höher.

Hier liegt ein wesentlicher Steuerungsmoment für Kosten: Die Maintenance Base ist nicht unveränderlich. Durch das gezielte Aufgeben nicht mehr benötigter Nutzungsrechte lässt sich die Basis erheblich reduzieren, bevor das Extended-Maintenance-Addendum unterschrieben wird. Ein verbreitetes Rechenbeispiel aus der SAP-Lizenzoptimierung zeigt: Eine Maintenance Base von 1 Mio. EUR kann durch das Streichen nicht genutzter Produkte, konvertierter ECC-Engines und bereinigter User-Zahlen auf unter 50.000 EUR sinken. Der Extended-Maintenance-Aufschlag auf diese reduzierte Basis ist dann kalkulatorisch vernachlässigbar.

Es gibt aber eine harte Grenze: All-or-Nothing. Extended Maintenance gilt für die gesamte Landschaft oder für keine. Wer einzelne Systeme herausnehmen möchte, hat keine Möglichkeit dazu. Das ist ein kritischer Steuerungsmoment für Berechtigungen: Welche Systeme werden tatsächlich gebraucht, welche können aufgegeben werden? Diese Frage muss vor dem Addendum beantwortet sein.

Extended Maintenance läuft bis 31.12.2030. Die Kündigung ist 90 Tage zum Jahresende möglich. Wer bis 2030 keine vollständige Migrationsentscheidung getroffen hat, steht danach vor der Transition Option.


Szenario 3: S/4HANA Conversion (Contract oder Product)

Das dritte Szenario ist technisch das differenzierteste und vertraglich das aufwändigste. Es zielt darauf ab, die Maintenance Base durch eine gezielte Konvertierung von Lizenzrechten zu reduzieren, bevor Extended Maintenance greift.

Zwei Varianten stehen zur Wahl.

Contract Conversion: Klassische ERP-Terminlizenzen, die noch produktiv genutzt werden, werden in eine neue Lizenzstruktur überführt. Nicht mehr benötigte Nutzungsrechte werden aufgegeben. Das reduziert die Maintenance Base, auf der der +2%-Aufschlag berechnet wird.

Product Conversion: Hier werden kumulierte Lizenzen bereinigt. Die Basis für die Berechnung sind die verbleibenden niedrigst-rabattierten SKUs. Das Ergebnis ist vertraglich komplexer, kann aber in bestimmten Lizenzkonstellationen deutlich mehr Optimierungspotenzial freisetzen.

In beiden Fällen gilt: Die Maintenance Base, auf die der Extended-Maintenance-Aufschlag greift, ist nach der Konvertierung deutlich geringer. Das macht Szenarien 3 und 4 zu einer Steuerungsoption, die parallel zu Szenario 2 bewertet werden sollte.

Der Steuerungsmoment für Nutzung ist hier besonders relevant: Eine Konvertierung erfordert eine präzise Bestandsaufnahme der aktuell genutzten Lizenzen. Wer keine valide Datenbasis hat, kann keine fundierte Konvertierungsentscheidung treffen. SAP Readiness Check und ein internes Lizenzkataster sind Voraussetzung, keine Option.


Die Entscheidungsmatrix

Drei Szenarien, drei unterschiedliche Budgetprofile, drei unterschiedliche Voraussetzungen. Die folgende Matrix gibt einen Überblick über die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale.

KriteriumSzenario 1: RISE bis Jan 2028Szenario 2: Extended MaintenanceSzenario 3/4: S/4HANA Conversion
Extended-Maintenance-AufschlagKeiner (in RISE-ACV enthalten)+2% auf volle Maintenance Base+2% auf reduzierte Maintenance Base
Zeitrahmen EntscheidungSofort (Migration läuft)Bis Ende 2027Vor Extended-Maintenance-Start
VoraussetzungAlle Systeme in PCE bis 01.01.2028Addendum zum WartungsvertragLizenzkataster und Konvertierungsanalyse
Steuerungsmoment (primär)Infrastruktur, KostenKosten, BerechtigungenNutzung, Kosten
KomplexitätHoch (Migration)MittelHoch (Vertragsarbeit)
LaufzeitAb RISE Go-Live unbegrenzt2028-2030 (verlängerbar via Transition Option)2028-2030 (verlängerbar via Transition Option)
Ideal fürUnternehmen mit klarem RISE-CommitmentUnternehmen mit MigrationsaufschubUnternehmen mit optimierbarer Lizenzbasis

Eine wichtige Ergänzung: Die Szenarien schließen sich nicht vollständig aus. Ein Unternehmen kann im Jahr 2027 mit Szenario 2 oder 3 starten, die Basis optimieren und gleichzeitig die RISE-Migration vorbereiten. Was zählt, ist, dass die Entscheidung bewusst getroffen wird und dass die Vertragsstruktur die gewählte Strategie sauber abbildet.


Wann welche Entscheidung fallen muss

Die häufigste Frage in diesem Kontext lautet: Wie viel Zeit bleibt noch? Die Antwort hängt vom gewählten Szenario ab.

Für Szenario 1 (RISE bis Januar 2028) gilt: Wer Ende 2025 noch keine Verhandlung mit SAP begonnen hat, ist im Verzug. SAP-Verhandlungen, technische Sizing-Analysen und interne Genehmigungsprozesse brauchen typischerweise 9 bis 18 Monate. Ein RISE-Vertrag, der im Frühjahr 2026 unterschrieben wird, lässt realistisch 18 bis 24 Monate für die technische Migration. Das ist knapp.

Für Szenario 2 und 3 gilt: Die Maintenance-Base-Optimierung und das Extended-Maintenance-Addendum müssen vor dem 31.12.2027 abgeschlossen sein. Die Lizenzbestandsaufnahme und Konvertierungsanalyse brauchen je nach Landschaft 3 bis 6 Monate. Wer bis Mitte 2027 wartet, arbeitet unter Zeitdruck.

Steuerungsmoment für Berechtigungen: Die Rollenstruktur und die Systemlandschaft müssen bekannt sein, bevor eine Konvertierungsentscheidung getroffen wird. Wer seine Systemlandschaft nicht systematisch erfasst hat, kann keines der drei Szenarien sauber verhandeln.

Steuerungsmoment für Kosten: Keine Konvertierung, kein Addendum und kein RISE-Vertrag sollte unterschrieben werden, ohne dass der ACV oder die reduzierte Maintenance Base gegen die bestehende Investition validiert wurde.


Was jetzt zu klären ist

Die Entscheidungsmatrix zeigt die Optionen. Welche Option passt, hängt von vier Fragen ab, die intern zu beantworten sind:

1. Wie vollständig ist die aktuelle Lizenzbestandsaufnahme? Ohne valide Daten zu genutzten Lizenzen, aktiven Usern und Add-on-Abhängigkeiten ist keine fundierte Entscheidung möglich.

2. Welche Add-ons sind im Einsatz und für welche gibt es ein S/4HANA-Äquivalent? Add-ons, die weder in PCE noch in der Transition Option unterstützt werden, sind ein blockierender Faktor für Szenarien 1 und 3.

3. Wie realistisch ist ein vollständiger PCE-Betrieb bis 01.01.2028? Diese Frage sollte auf Basis eines echten Projektplans beantwortet werden, nicht auf Basis einer Annahme.

4. Welche Maintenance Base ergibt sich nach einer Konvertierungsanalyse? Wenn die optimierte Basis deutlich unter der aktuellen liegt, verändert das die Kostenlogik für Szenario 2 erheblich.

Die Steuerungsmomente, die hier relevant werden, sind dieselben wie in jeder Phase der SAP-Vertragssteuerung: Nutzung (was wird tatsächlich eingesetzt), Berechtigungen (welche Rollen auf welchen Systemen), Infrastruktur (welche Systeme laufen wo) und Kosten (was kostet welches Szenario über die Laufzeit). Wer diese vier Bereiche systematisch erfasst hat, trifft die BS7-Entscheidung von einer stabilen Informationsbasis aus.


Fazit

Das BS7-Wartungsende 2027 ist kein technisches Auslaufdatum, das sich ignorieren lässt. Es ist ein Steuerungsmoment, der eine Entscheidung erzwingt: RISE bis Januar 2028, Extended Maintenance mit oder ohne Optimierung, oder gezielte Konvertierung vor dem Aufschlag. Alle drei Wege sind valide. Keiner funktioniert ohne Vorbereitung.

Was danach kommt, ob RISE-Betrieb ab 2028, Extended Maintenance bis 2030 oder Transition Option bis 2033, ist eine andere Frage. Aber die Grundlage, eine vollständige Lizenz- und Systemlandschaft sowie eine klare Entscheidung vor dem Stichtag, ist für alle drei Wege dieselbe.

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Bernhard Maendle
Verfasst von Bernhard Maendle Managing Consultant, FinOptory fuer SAP

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026