RISE with SAP: Vertragliche KI-Verpflichtungen ab 2026
Auf dem SAP Sapphire 2026 in Orlando hat SAP eine Reihe von Vertragsänderungen kommuniziert, die für bestehende und neue RISE with SAP-Kunden unmittelbare Konsequenzen haben. Zentral ist eine Neuerung, die in den Keynote-Ankündigungen zur "Autonomous Enterprise" eingebettet war: Das aktualisierte RISE with SAP-Paket enthält jetzt eine vertragliche Verpflichtung, drei Joule-Assistenten innerhalb des ersten Vertragsjahres zu aktivieren.
Diese Anforderung ist keine Empfehlung und kein Best-Practice-Hinweis aus einer Adoption-Kampagne. Sie ist Bestandteil des Vertragswerks. Wer einen neuen RISE with SAP-Vertrag unterzeichnet oder einen bestehenden Vertrag verlängert, stimmt dieser Aktivierungsverpflichtung explizit zu. Der Max Success Plan dehnt diese Anforderung zusätzlich aus: Hier erstreckt sich die Joule-Adoptionsverpflichtung auf die gesamte Organisation.
Parallel dazu erhalten GROW with SAP-Kunden beim Onboarding unmittelbaren Zugang zum vollständigen Agenten-Portfolio, ohne gestaffelte Aktivierungsanforderung. SAP verfolgt damit eine klare Differenzierungsstrategie zwischen den beiden Cloud-Einstiegspfaden.
Warum das für Vertragsverantwortliche relevant ist
Die Joule-Aktivierungsverpflichtung trifft Unternehmen an einer Stelle, die in Verhandlungen häufig erst spät sichtbar wird: der Schnittstelle zwischen technischer Readiness und kommerzieller Verpflichtung. Joule setzt technische Voraussetzungen voraus, die nicht mit dem Vertragsabschluss automatisch erfüllt sind. Dazu gehören konfigurierte Entitlements auf SAP BTP, eingerichtete Cloud Identity Services (IAS/IPS) und ein funktionierendes SAP Build Work Zone. Wer diese Voraussetzungen im ersten Vertragsjahr nicht erfüllt, steht vor einem Aktivierungsrückstand, der im Vertrag bereits als Verpflichtung festgehalten ist.
Hinzu kommt die Abrechnungslogik der KI-Kapazitäten. SAP hat mit den AI Units eine neue Dimension in das Pricing eingeführt: Joule Premium wird pro Nutzer und Monat mit 1 bis 8 AI Units abgerechnet. Diese Dimension ist in vielen 2026er Verlängerungsangeboten bereits eingepreist, auch wenn die konkrete Nutzung zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung noch nicht definiert ist. Analysten berichten, dass KI-Komponenten in einzelnen Renewal-Angeboten 15 bis 25 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen, ohne dass dies in der kommerziellen Vorbereitung explizit adressiert wurde.
Forrester hat in seiner Einschätzung zu SAP Sapphire 2026 das Thema "Concentration Risk" direkt angesprochen: Die Konsolidierung auf eine einzige Plattform konzentriert Abhängigkeiten auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Sicherheitspostur, Preismodell und Innovationspfad liegen beim selben Anbieter. Das ist keine Argumentation gegen SAP, aber ein Hinweis darauf, dass die Vertragsgestaltung diese Konzentration aktiv berücksichtigen sollte.
Weitere Faktoren aus dem SAPPHIRE-Umfeld ergänzen das Bild. Der SAP ERP Private Edition Transition Path, der ECC-Betrieb bis 2033 ermöglicht, ist nur im Jahr 2026 abschließbar. Und: Migrationsguthaben verlieren nach aktuellen Marktbeobachtungen rund 10 Prozent pro Jahr an Wert. Beim ersten S/4HANA-Renewal nach einer Migration ist ein Pricing-Uplift von 20 Prozent einzuplanen.
Was Sie tun können
1. Vertragstext zur Joule-Aktivierung prüfen
Fordern Sie von Ihrem SAP Account Executive eine schriftliche Klarstellung, welche drei Joule-Assistenten vertraglich aktiviert werden müssen und innerhalb welcher Frist. Klären Sie, was bei Nicht-Erreichung gilt: Vertragsbruch, Nachzahlung oder SLA-Anpassung. Dieser Punkt ist verhandelbar, solange der Vertrag noch nicht unterzeichnet ist.
2. Technische Voraussetzungen vor Vertragsabschluss bewerten
Die Joule-Aktivierung setzt BTP-Konfiguration, Identity Services und Build Work Zone voraus. Eine Lückenanalyse zwischen Ihrem aktuellen technischen Stand und diesen Voraussetzungen gibt Ihnen Klarheit darüber, welchen Aufwand die Verpflichtung im ersten Vertragsjahr tatsächlich bedeutet. Dieser Aufwand lässt sich in die Vertragsverhandlung einbringen.
3. AI Units als Budgetdimension explizit steuern
AI Units sind keine Standardkomponente klassischer RISE-Kalkulation. Definieren Sie vor der Vertragsunterzeichnung, welche Joule-Funktionen zu welchem Abrechnungsmodell genutzt werden sollen, und dokumentieren Sie die AI-Unit-Allokation im Vertrag. So bleibt die Kostenentwicklung planbar.
4. Migrationsfenster und Transition Options aktiv prüfen
Der SAP ERP Private Edition Transition Path ist nur 2026 verfügbar. Wer ECC-Systeme im Betrieb hat und die Option einer gestaffelten Migration offen halten möchte, sollte dieses Fenster bis Jahresende bewerten. Das erfordert keine sofortige Entscheidung, aber eine informierte Einschätzung.
5. Max Success Plan auf Organisationsumfang prüfen
Wenn der Max Success Plan Teil Ihres RISE-Pakets ist oder in einem Angebot vorgeschlagen wird, prüfen Sie explizit, welche Joule-Adoptionsverpflichtungen damit verbunden sind und auf welche Organisationseinheiten sie sich erstrecken. Die Ausdehnung auf die "gesamte Organisation" ist ein wesentlicher Unterschied zum Basis-RISE-Paket.
Fazit
SAP hat auf dem Sapphire 2026 das Signal gesetzt, dass KI-Adoption nicht länger optional ist, sondern in das Vertragswerk integriert wird. Die Pflicht zur Aktivierung von drei Joule-Assistenten im ersten Vertragsjahr ist ein konkreter Beleg dafür. Für Vertragsverantwortliche bedeutet das: Wer einen RISE with SAP-Vertrag unterzeichnet oder verlängert, stimmt gleichzeitig einer technischen Implementierungsverpflichtung zu, deren Erfüllbarkeit von der eigenen Infrastruktur und BTP-Readiness abhängt.
Diese beiden Ebenen, die kommerzielle und die technische, lassen sich in der Vorbereitung gezielt aufeinander ausrichten. Das Fenster dafür liegt vor der Unterzeichnung.
Nächste Schritte
FinOptory unterstützt Unternehmen dabei, SAP-Vertragsänderungen wie die neuen Joule-Verpflichtungen strukturiert einzuordnen und die eigene Vertragsposition laufend zu steuern. Sprechen Sie mich direkt an — ich zeige in einem ersten Gespräch, wo die relevanten Stellschrauben in Ihrem Vertrag liegen.
Quellen:
SAP News Center (2026): SAP Unveils the Autonomous Enterprise
SAP News Center (2026): SAP Sapphire Keynote 2026
SAP Community (2026): Max Success Plan at SAP Sapphire 2026
Forrester (2026): SAP Sapphire 2026: The Autonomous Enterprise Is Credible, But It Comes With Concentration Risk
Redress Compliance (2026): RISE with SAP in 2026: What Changed
SAP Licensing Experts (2026): SAP AI Licensing 2026
SAP Community (2026): Joule Prerequisites and Activation