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SAP Vendor Management

SAP-Account-Management verstehen: Rollen, Anreize und was das für Ihre Steuerung bedeutet

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Wer SAP-Verträge steuert, spricht regelmäßig mit SAP-Ansprechpartnern. Account Executive, Customer Success Manager, Technical Account Manager, Commercial Teams. Diese Rollen haben unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Ziele und unterschiedliche Entscheidungsspielräume. Wer den Auftrag jeder Rolle kennt, kommuniziert gezielter und vermeidet die häufigsten Missverständnisse in der Vendor-Beziehung.

Dieser Artikel beschreibt, was hinter den einzelnen SAP-Rollen steht, wie ihr Anreizsystem strukturiert ist, und was das für die Steuerung auf Kundenseite bedeutet.


Account Executive: Aufgabe, Ziele, Grenzen

Der Account Executive ist der primäre kommerzielle Ansprechpartner. Er ist das Gesicht von SAP in der Kundenbeziehung und zuständig für alle Themen, die mit dem Vertragsportfolio, mit Erweiterungen und mit der langfristigen kommerziellen Entwicklung des Kontos zusammenhängen.

Der AE arbeitet auf Basis von Umsatzzielen. Das ist keine Besonderheit von SAP, sondern das Standardmodell im Enterprise-Software-Vertrieb. Was das in der Praxis bedeutet: Angebote, die der AE einbringt, entstehen nicht primär aus der Perspektive des optimalen Vertragsergebnisses für den Kunden. Sie entstehen aus der Perspektive des Umsatzziels, das der AE mit dem Konto verfolgt. Das ist bekannt und legitim, und es ist ein Steuerungsmoment auf Kundenseite: Jedes AE-Angebot sollte unabhängig gegen den tatsächlichen Bedarf geprüft werden.

Ein konkretes Muster: Add-on-Angebote werden häufig als Paket präsentiert, bei dem einzelne Komponenten schwer zu trennen sind. Wer das Paket annimmt, nimmt Komponenten mit, die keinen unmittelbaren Bedarf decken und über die Vertragslaufzeit Maintenance-Kosten erzeugen. Die Frage, welche Komponenten tatsächlich genutzt werden und welche zu Shelfware werden, ist eine Steuerungsfrage, die vor der Entscheidung beantwortet werden sollte.

Was der AE leisten kann: Konditionen im Rahmen seiner internen Autorisation anbieten, Informationen zu Produktentwicklungen liefern, interne Eskalationen anstoßen und als Vermittler zwischen Kunden und SAP-internen Teams fungieren.

Was nicht in seiner Entscheidungshoheit liegt: Größere Discount-Entscheidungen, die seine interne Autorisationsschwelle überschreiten, muss er an den Global Deals Desk oder einen Global Account Director intern weiterleiten. Zusagen zu zukünftigen Produktentwicklungen, die über offizielle SAP-Roadmaps hinausgehen, kann er nicht verbindlich machen. Compliance-Entscheidungen mit rechtlichen Risiken für SAP liegen ebenfalls außerhalb seiner Autorität.

Diese Grenzen zu kennen, ist praktisch relevant: Wenn eine Anfrage die Autoritation des AE übersteigt, verlängert sich die Bearbeitungszeit, weil er intern weiterleiten muss. Wer das weiß, plant realistischere Zeitfenster für kommerzielle Verhandlungen und formuliert Anfragen so, dass der AE intern eine fundierte Position vertreten kann.


Customer Success Manager: Adoption, nicht Vertragssteuerung

Der Customer Success Manager verfolgt ein anderes Ziel als der AE: Er ist darauf ausgerichtet, die Nutzungstiefe und Adoption bei bestehenden Kunden zu steigern. Sein Erfolgsmaßstab ist, wie intensiv SAP-Funktionen genutzt werden und wie breit das SAP-Portfolio im Unternehmen verankert ist.

Das ist ein anderes Ziel als das der Kundenseite in der Vertragssteuerung. Der CSM möchte, dass SAP-Funktionen breiter genutzt werden. Das ist für sich genommen kein Problem, aber es erzeugt einen Interessenkonflikt, wenn Nutzungssteigerung mehr Lizenzen oder höhere Add-on-Ausgaben erfordert.

Was daraus folgt: Fragen zur Vertragsstruktur, zu Konditionen, zu Compliance oder zu Renewal-Optionen sind nicht das Aufgabengebiet des CSM. Wer eine Vertragsfrage an den CSM stellt, erhält möglicherweise eine Antwort aus der Adoption-Perspektive, nicht aus der kommerziellen Perspektive. Das erzeugt Missverständnisse und kostet Zeit.

Der CSM ist der richtige Ansprechpartner für Fragen zur Nutzung von SAP-Funktionalitäten, zur Vorbereitung auf neue Produktversionen und zur Identifikation von Funktionen, die bisher nicht genutzt werden. Für Vertragssteuerung ist er nicht zuständig.


Technical Account Manager: Wann und wie einbinden

Der Technical Account Manager ist für technische Infrastrukturthemen und Support-Eskalationen zuständig. Er ist die richtige Anlaufstelle, wenn SLA-Abweichungen, Performance-Probleme oder technische Systemfragen eskaliert werden müssen.

Der TAM ist auch die erste relevante Anlaufstelle bei Priority-Hochstufungen im Incident-Management. Wer einen kritischen Betriebseinfluss eskaliert, sollte den TAM formell einbinden, und diese Einbindung schriftlich dokumentieren. Diese Dokumentation ist später als Steuerungsmoment verwendbar: Sie erzeugt einen Zeitstempel, der für spätere SLA-Prüfungen und für die Renewal-Vorbereitung relevant ist.

Eine typische Fehlerquelle: Technische Eskalationen werden an den AE adressiert statt an den TAM. Das erzeugt eine unnötige Zwischenstation, verlängert den Lösungsprozess und erzeugt Informationsverluste. Technische Probleme gehören zum TAM, nicht zum AE.

Der TAM wird auch dann eingebunden, wenn Fragen zur Systemkapazität, zum Sizing oder zur technischen Umsetzung von Vertragsbestandteilen zu klären sind. In RISE-Umgebungen ist er der Ansprechpartner für Fragen zur Infrastrukturleistung und zu technischen SLA-Parametern.


SAP Commercial und Pricing Teams: Was hinter dem AE liegt

Hinter den sichtbaren Ansprechpartnern auf Kundenseite arbeiten interne SAP-Teams, die kommerzielle Entscheidungen treffen. Der Global Deals Desk, Pricing-Spezialisten und Commercial Finance sind die Instanzen, die bei komplexeren Verhandlungen die eigentlichen Entscheidungen treffen.

Kunden haben in der Regel keinen direkten Zugang zu diesen Teams. Die Kommunikation läuft über den AE. Das bedeutet: Die Qualität der internen Verhandlung, die der AE für den Kunden führt, hat direkten Einfluss auf das Ergebnis. Ein AE, der den Kundenbedarf gut versteht und intern präzise kommuniziert, kann eine stärkere Position einnehmen als ein AE, dem die relevanten Informationen fehlen.

Das ist ein Steuerungsmoment auf Kundenseite: Dem AE die Informationen zu liefern, die er braucht, um intern eine belastbare Argumentation aufzubauen. Konkrete Nutzungsdaten, eine klare Darstellung des Bedarfs und eine dokumentierte Verhandlungshistorie sind keine Zeichen von Schwäche, sondern helfen dem AE, intern eine fundierte Position zu vertreten.


Wann der SAP Executive Sponsor relevant wird

Bei strategisch bedeutsamen Kunden hat SAP einen Executive Sponsor, der auf C-Ebene ansprechbar ist. Diese Ebene wird relevant bei formellen Executive Escalations, wenn die normalen Eskalationswege keine Lösung gebracht haben, oder wenn eine strategische Entscheidung auf Führungsebene getroffen werden soll, die unterhalb dieser Ebene nicht möglich ist.

Der Executive Sponsor sollte nicht routinemäßig eingebunden werden. Ein zu früher oder zu häufiger Rückgriff auf diese Ebene wertet das Signal ab und erzeugt den Eindruck, dass die normalen Kanäle nicht ausgeschöpft wurden. Die Einbindung des Executive Sponsors ist ein gezielt einzusetzendes Instrument für Situationen, in denen eine Entscheidung auf Augenhöhe zwischen Führungspersonen erforderlich ist.

Eine Executive Escalation sollte vorbereitet sein: mit einem vollständigen Log der bisherigen Eskalationsschritte, mit einer klaren Problemdarstellung und mit einer konkreten Erwartung an die Führungsebene. Wie dieser Weg strukturiert aufgebaut wird, beschreibt der Artikel zu SAP-Eskalationspfaden.


Was Ansprechpartnerwechsel auf SAP-Seite für die Steuerung bedeuten

SAP-seitige Ansprechpartnerwechsel sind strukturell bedingt und häufig. AEs werden umgesetzt, CSMs rotieren, TAMs wechseln Zuständigkeiten. Jeder Wechsel birgt das Risiko eines Informationsverlustes auf SAP-Seite: was bisher vereinbart wurde, welche offenen Punkte bestehen, welche Positionen die Beziehung geprägt haben.

Dieser Informationsverlust ist ein Steuerungsmoment auf Kundenseite. Wer die eigene Vertragshistorie, die offenen Themen und die vereinbarten Positionen gut dokumentiert hat, kann einem neuen SAP-Ansprechpartner schnell und präzise erläutern, wo die Beziehung steht. Wer diese Dokumentation nicht hat, beginnt mit jedem Wechsel neu, ohne die aufgebaute Gesprächsbasis weiterführen zu können.

Bei jedem Ansprechpartnerwechsel sollte eine formelle Übergabe eingefordert werden: Die bisherigen Vereinbarungen, offenen Punkte und nächsten Schritte werden schriftlich bestätigt. Das ist keine außergewöhnliche Anforderung, sondern ein professioneller Standard in einer Vendor-Beziehung dieser Größenordnung.


Was schriftlich festgehalten werden sollte

Alle relevanten Vereinbarungen, Zusagen und Entscheidungen in der SAP-Vendor-Beziehung gehören schriftlich dokumentiert. Das ist keine Frage des Misstrauens gegenüber den handelnden Personen, sondern eine strukturelle Notwendigkeit: Ansprechpartner wechseln, und mündliche Vereinbarungen sind bei einem Wechsel nicht übertragbar.

Was in schriftliche Protokolle gehört:

  • Verhandelte Konditionen und die Grundlage, auf der sie verhandelt wurden
  • Zusagen zu Produktentwicklungen, Roadmap-Elementen oder SLA-Parametern
  • Vereinbarte Eskalationswege und Zuständigkeiten
  • Ergebnisse formeller Reviews mit den vereinbarten nächsten Schritten
  • Offene Punkte und ihr Status

Diese Protokollierungspflicht ist auch ein Steuerungsmoment: Sie schafft eine dokumentierte Vertragshistorie, die bei der Renewal-Vorbereitung, bei Eskalationen und bei Verhandlungen als belastbare Ausgangslage dient. Wer keine Protokolle hat, führt jede Verhandlung ohne dokumentierten Ausgangspunkt. Wer eine vollständige, schriftlich geführte Kommunikationshistorie hat, verfügt über eine Faktenbasis, die den eigenen Steuerungsmomenten Substanz gibt.


Häufige Fragen

Kann ich kommerzielle Fragen direkt mit dem CSM klären?

Nein. Der CSM ist auf Adoption ausgerichtet, nicht auf kommerzielle Vertragssteuerung. Für Fragen zu Konditionen, Renewal-Optionen oder Abrechnungsdetails ist der AE der richtige Ansprechpartner, für technische Fragen der TAM.

Was passiert, wenn ein Angebot des AE die Vertragsstruktur komplizierter macht?

Jedes Add-on-Angebot verändert die Vertragsstruktur und erzeugt Folgekosten über die Laufzeit. Vor einer Entscheidung sollte geprüft werden, welche Komponenten tatsächlich genutzt werden, welche Maintenance-Kosten entstehen und ob das Paket auch in Einzelteilen verhandelbar ist.

Wie häufig sollte formaler Kontakt mit dem AE stattfinden?

Mindestens quartalsweise für ein strukturiertes Review, in dem Vertragsstand, Nutzungsentwicklung und offene Themen besprochen werden. Dazu anlassbezogen bei konkreten Steuerungsmomenten wie Renewal-Vorbereitung, Eskalationen oder strategischen Portfolioentscheidungen.

Was ist der Unterschied zwischen technischer Eskalation und kommerzieller Eskalation?

Technische Eskalationen, also Probleme mit Systemleistung, SLAs oder Infrastruktur, gehören zum TAM. Kommerzielle Eskalationen, also Fragen zu Konditionen, Abrechnungsfehlern oder Vertragsinterpretationen, gehören zum AE, der diese gegebenenfalls intern weiterleitet.


Nächste Schritte

Eine klare Kenntnis der SAP-Stakeholder-Struktur ist eine der Grundlagen für die Steuerung der Vendor-Beziehung. Wie SAP eskaliert wird, wenn die normalen Kanäle keine Lösung bringen, beschreibt der Artikel SAP eskalieren: Schritt-für-Schritt vom Service-Ticket zur Executive Escalation. Wie die interne Koordination zwischen Contract Manager, Procurement, Controlling und Executive strukturiert wird, zeigt der Artikel zur cross-funktionalen SAP-Steuerung.

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Bernhard Mändle
Geschrieben von Bernhard Mändle Managing Consultant, FinOptory for SAP®

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026