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SAP Business AI

Premium Plus ist seit Juni 2025 abgeschafft: Was sich für SAP-RISE-Kunden geändert hat

SAP RISE Premium Plus SAP Business AI Joule Contract Governance

Premium Plus war bis Juni 2025 das Top-Tier in RISE-Verträgen mit umfangreichen Embedded-AI-Funktionen. Seit Juni 2025 ist es abgeschafft, das Packaging läuft anders. Was sich konkret geändert hat, was Bestandskunden prüfen sollten und welche Steuerungsmomente das Renewal jetzt bringt.


Was Premium Plus war (bis Juni 2025)

Wer einen RISE-Vertrag abgeschlossen hatte, kannte die Tier-Struktur: Standard, Premium und darüber Premium Plus. Letzteres war Ende 2023 eingeführt worden und sollte die anspruchsvollsten RISE-Kunden ansprechen, die auch SAP Business AI in ihrer Subscription haben wollten.

Der Aufpreis war erheblich. Im Gegenzug enthielt Premium Plus Komponenten, die in den anderen Tiers nicht enthalten waren:

  • Joule als interaktiver AI-Assistent, direkt in der RISE-Subscription
  • Extended Financial Management, also erweiterte Funktionssets im Finanzbereich über den Standard hinaus
  • Advanced Cash Management und Ergänzungen im Group Reporting
  • SAP Analytics Cloud for Planning, als Planungs- und Analysewerkzeug

Die Kombination aus Joule und den erweiterten betriebswirtschaftlichen Modulen machte Premium Plus zur bevorzugten Wahl für Kunden, die SAP Business AI produktiv nutzen wollten, ohne separate Add-On-Verhandlungen führen zu müssen.

In der Wahrnehmung vieler Vertragsverantwortlicher galt die Regel: Joule kommt mit Premium Plus, nicht darunter. Diese Regel galt bis Juni 2025. Dann wurde sie ohne großes Kommunikationsaufwand abgelöst.


Was Juni 2025 passierte

Im Juni 2025 hat SAP eine Packaging-Änderung vollzogen, die tiefergehende Auswirkungen hat, als der Begriff "Umbenennung" vermuten lässt. Laut Redress Compliance, die diese Änderungen detailliert dokumentiert haben, wurde Premium Plus komplett gestrichen (Quelle: Redress Compliance, "RISE with SAP Tiers and July 2025 Premium Packaging Changes").

Gleichzeitig wurde Premium als Tier umbenannt in SAP Cloud ERP Private. Auch der übergeordnete Begriff "RISE with SAP" hat sich verändert: Er beschreibt heute keinen Produkt-Tier mehr, sondern den Modernisierungs-Prozess als Ganzes. Was früher als Tier-Hierarchie funktionierte, ist jetzt anders geordnet.

Für das neue SAP Cloud ERP Private (ehemals Premium) hat SAP das SKU-Bundle überarbeitet. Laut SAP Licensing Experts (Q1 2026) enthält das neue Bundle fast doppelt so viele SKUs wie das alte RISE Premium. Zwei prominente Komponenten fehlen jedoch: SAP Datasphere ist nicht mehr inkludiert. Und die Embedded AI Units sind nicht mehr standardmäßig enthalten, sondern werden als separates Add-On angeboten.

CIO Magazine hat diese Verschiebung treffend beschrieben: Die Umbenennung verdeckt die eigentlichen kommerziellen Veränderungen (Quelle: CIO Magazine, "SAP's Rise rebrand conceals cost changes"). Wer nur die Marketing-Kommunikation liest, sieht eine Konsolidierung. Wer das Order Form öffnet, sieht strukturell andere Bedingungen.

Joule ist seither in mehreren Tiers verfügbar, aber die Verbrauchsmodelle haben sich differenziert: Per-User-Per-Month, AI Units und Token-basiertes Pricing existieren nebeneinander. Das "alles oder nichts"-Prinzip des alten Premium Plus gibt es nicht mehr.


Was das für Bestandskunden bedeutet

Bestandskunden, die zum Zeitpunkt der Packaging-Änderung bereits einen RISE Premium Plus-Vertrag hatten, befinden sich in einer Situation, die sorgfältige Prüfung erfordert. Hier liegt der erste Steuerungsmoment: Die Frage ist nicht, was SAP angekündigt hat, sondern was im eigenen Order Form steht.

Zwei Szenarien sind in der Praxis beobachtbar. Im ersten Szenario haben Kunden Joule-Funktionen, die sie über Premium Plus hatten, im Repackaging ohne eigene Verhandlung verloren. Die Capabilities wurden aus der inkludierten Liste herausgenommen und als Add-On angeboten. Im zweiten Szenario haben Kunden diese Funktionen als Add-On separat verhandelt, oft zu anderen Konditionen als im ursprünglichen Bundle.

Der Unterschied zwischen beiden Szenarien liegt selten in der SAP-Kommunikation. Er liegt im Zeitpunkt der Renewal-Verhandlung und darin, ob das betroffene Unternehmen zu diesem Zeitpunkt die Vertragsstruktur vollständig erfasst hatte.

Ein weiterer Aspekt betrifft SAP Datasphere. Kunden, die Datasphere aktiv genutzt haben und davon ausgingen, es sei weiterhin in ihrer Subscription enthalten, müssen prüfen, ob es im Repackaging als separates Vertragselement weiterläuft oder ob eine neue kommerzielle Vereinbarung notwendig ist.

Der zweite Steuerungsmoment liegt in der Einordnung der neuen SKU-Struktur. Fast doppelt so viele SKUs wie vorher klingt nach mehr Leistung. Ob das für das eigene Nutzungsprofil gilt, lässt sich nur beurteilen, wenn man die relevanten SKUs identifiziert und gegen die tatsächliche Nutzung spiegelt.


Was im neuen Packaging steckt

SAP Cloud ERP Private ist heute der verbleibende Premium-Tier in RISE. Das Leistungsprofil ist breiter als im alten RISE Premium, aber anders zusammengesetzt als im alten Premium Plus.

Für den AI-Bereich gilt: Embedded AI Features in S/4HANA, also Predictive Accounting, Intelligent AP Automation und Demand Sensing, sind weiterhin in den jeweiligen Tiers enthalten. Was sich geändert hat: Die Grenzen zwischen inkludiertem und Add-On-pflichtigem AI-Verbrauch sind enger gezogen.

Joule ist nicht mehr eine Funktion, die mit einem Tier kommt oder nicht kommt. Joule ist heute eine Familie aus verschiedenen Verbrauchsmodellen: ein View-Only-Zugang mit limitierten Sessions ist in Cloud ERP Private typischerweise enthalten, für produktive Nutzung sind Joule Power User Seats oder API Consumption als Add-On notwendig (Quelle: SAP Licensing Experts, "SAP AI in RISE Contracts 2026").

LeanIX wurde als strategisches Werkzeug in Cloud ERP Private neu aufgenommen. Das spricht für Kunden, die Enterprise Architecture Management direkt mit ihrem RISE-Betrieb verbinden wollen.

Neu hinzugekommen ist auch, dass die FUE-Klassifikation für einige Funktionen in höhere Professional-User-Tiers verschoben wurde. Was das für die eigene User-Struktur bedeutet, lässt sich nur im Abgleich von Order Form und tatsächlicher User-Verteilung bestimmen.

Der dritte Steuerungsmoment liegt hier: Nicht das Marketing-Versprechen des neuen Packagings zählt, sondern was namentlich im Capability-Exhibit des Order Forms steht.


Steuerungsmomente bei der Renewal-Vorbereitung

Renewals bei RISE-Kunden, die vor Juni 2025 abgeschlossen haben, treffen auf eine veränderte Ausgangslage. Die Steuerungsmomente beginnen nicht am Renewal-Datum, sondern 12 bis 18 Monate davor.

Wer Premium Plus hatte, muss zunächst eine Bestandsaufnahme machen: Welche Capabilities wurden tatsächlich genutzt? Welche waren inkludiert, aber nicht aktiviert? Welche wurden im Repackaging aus der Subscription herausgenommen?

Der vierte Steuerungsmoment liegt in der Verhandlungsposition: Wer diese Fragen beantwortet hat, bevor SAP das Renewal-Gespräch eröffnet, verhandelt auf Basis von Fakten. Wer sie nicht beantwortet hat, handelt auf Basis von SAP-Präsentationen.

Das Renewal-Packaging wird von SAP typischerweise als "Optimierung" oder "Konsolidierung" kommuniziert. Die kommerzielle Substanz liegt im Order Form, nicht in der Begleitkommunikation. Capability-Listen, AI-Unit-Allokationen, Overage-Klauseln und Rollover-Regeln sind die Stellen, an denen sich entscheidet, ob das Renewal eine investitionsneutrale Fortführung oder eine strukturelle Veränderung der kommerziellen Bedingungen ist.


Checkliste: 5 Stellen im Vertrag prüfen

Für Bestandskunden mit früherem Premium Plus-Vertrag sowie für alle Kunden mit RISE-Renewal in den nächsten 24 Monaten empfiehlt sich die Prüfung der folgenden fünf Stellen im Order Form:

1. Capability-Exhibit: Sind die enthaltenen AI-Capabilities namentlich gelistet? Oder verweist das Exhibit nur auf "aktuelle Produktbeschreibung"? Generischer Verweis schafft keinen Anspruch.

2. Joule-Spezifikation: Welches Joule-Verbrauchsmodell gilt? Sind Limits in Sessions oder AI Units definiert? Was passiert bei Überschreitung?

3. AI-Unit-Allokation: Sind Embedded AI Units im Bundle enthalten oder separat zu kaufen? Welche Rate gilt für zusätzliche AI Units, und verweist die Klausel auf Fixpreis oder "current pricing"?

4. Datasphere-Status: Ist Datasphere weiterhin enthalten oder aus dem Bundle herausgefallen? Falls herausgefallen: Gibt es eine laufende separate Subscription, oder besteht eine Nutzungslücke?

5. Overage-Mechanik: Gilt Hard-Stop oder Soft-Overage? Ab welchem Schwellenwert greift ein Aufpreis, und wie hoch ist der Faktor? Ist eine Approval-Pflicht für Overage definiert?

Diese fünf Stellen bilden die Grundlage für eine informierte Renewal-Position. Sie lassen sich nicht aus SAP-Folien herauslesen, sondern ausschließlich aus dem aktuellen Order Form.


FAQ

Gilt Premium Plus noch für laufende Verträge, die vor Juni 2025 abgeschlossen wurden?

Premium Plus als Tier wurde abgeschafft. Ob ein Bestandsvertrag die ursprünglichen Premium-Plus-Konditionen fortführt oder ob beim Renewal eine Umstellung auf die neue Struktur stattfindet, hängt von den spezifischen Vertragsbedingungen und dem Renewal-Zeitpunkt ab. Wer sich auf bestehende Formulierungen verlässt, ohne das aktuelle Order Form geprüft zu haben, riskiert Lücken in der Planung.

Ich hatte Joule über Premium Plus. Habe ich es noch?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Manche Bestandskunden haben Joule im Repackaging behalten, andere haben es als Add-On neu verhandelt oder verloren. Die einzige verlässliche Antwort liefert das aktuelle Order Form und der Abgleich mit dem ursprünglichen Vertrag.

Lohnt sich ein Wechsel zu einem separaten Business-AI-Subscription-Bundle statt RISE-Bundle?

Die kommerzielle Effizienz hängt vom Gesamtportfolio ab. Standalone-BTP ist in der Regel das ungünstigste Modell. Das RISE- bzw. Cloud-ERP-Private-Bundle ist bei entsprechenden Volumen kommerziell am vorteilhaftesten, da AI Units dort subventioniert eingepreist sind. Die Entscheidung lässt sich nur auf Basis eines Vergleichs der tatsächlichen Verbrauchsstruktur treffen.


Weitere Hintergründe zum Thema SAP Business AI im RISE-Vertrag finden Sie im Pillar-2-Hub. Wie Business AI im RISE-Vertrag strukturiert ist und wo die Aggregations-Falle liegt, beschreibt Cluster 5: Business AI im RISE-Vertrag. Was das für die laufende Vertragssteuerung über alle SAP-Produkttypen bedeutet, lesen Sie bei Pillar 1: Auto-Renewal-Falle bei SAP RISE.


Autoren-Info: Bernhard Mändle ist Managing Consultant bei FinOptory. FinOptory steuert SAP-Verträge nach der Unterschrift, über die gesamte Laufzeit und alle SAP-Produkttypen.

Nächste Schritte

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Bernhard Mändle
Verfasst von Bernhard Mändle Managing Consultant, FinOptory für SAP®