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Lizenz-Effizienz

USMM, LAW und SAM4U: Das Werkzeugset für SAP-Lizenz-Vermessung verstehen

USMMLAWSAM4USAP-VermessungLizenz-Governance

SAP stellt drei Standardwerkzeuge für die Lizenzmessung bereit, die unterschiedliche Aufgaben haben. Wie sie zusammenspielen, was jedes leisten kann und was nicht, und warum der laufende Einsatz besser ist als eine einmalige Audit-Vorbereitung.


Was Lizenzmessung von Audit-Vorbereitung unterscheidet

In der Praxis gibt es bei vielen Organisationen ein Muster: USMM wird ausgeführt, wenn SAP eine Messung anfordert. LAW wird zusammengestellt, wenn ein Enhanced Audit angekündigt wird. SAM4U ist installiert, aber das Dashboard wird selten geöffnet.

Das greift zu kurz. Lizenzmessung ist kein Audit-Event, sondern ein Steuerungsmoment, der im laufenden Betrieb entsteht. Der Steuerungsmoment Nutzung fragt monatlich: Stimmt der FUE-Verbrauch mit dem Vertrag überein? Der Steuerungsmoment Berechtigungen fragt: Sind die Rollen so geschnitten, dass das PCE Metering das korrekte Ergebnis liefert?

Beide Steuerungsmomente lassen sich nur mit einem strukturierten Werkzeug-Einsatz planbar nutzen. Die drei Tools haben komplementäre Funktionen. Wer alle drei einsetzt, hat eine belastbare Datenbasis für Audits, Renewal-Verhandlungen und interne Governance-Reviews.


USMM: Was es misst und was es nicht erkennt

USMM (User and System Measurement Management) ist das klassische Einzelsystem-Vermessungstool. Die Transaktion USMM steht in jedem SAP-System zur Verfügung und wird vom SAP Basis-Administrator ausgeführt.

Was USMM liefert

USMM misst Named-User-Zahlen nach Lizenztyp sowie Engine-Metriken für das jeweilige System. Das Ergebnis ist eine Messdatei, die exportiert und an SAP übermittelt werden kann. Im On-Premise-Kontext ist USMM das Instrument der Annual Measurement. Im PCE-Kontext übernimmt das monatliche automatisierte Metering die Verbrauchsmessung, USMM bleibt aber für interne Self-Audits und Plausibilitätsprüfungen relevant (Quelle: SAP Help, License Administration Workbench).

Was USMM nicht leistet

Eine wesentliche Eigenschaft, die häufig übersehen wird: USMM zählt jeden Named User, unabhängig davon, ob er aktiv ist. Inaktive Accounts, also Mitarbeitende, die das Unternehmen verlassen haben, aber nicht aus dem System entfernt wurden, erhöhen die gemessene Lizenzzahl. Duplikate aus unterschiedlichen Benutzernamen derselben Person ebenfalls.

Das macht USMM allein als Steuerungsinstrument unvollständig. Es zeigt den rohen Bestand, nicht den optimierten Stand. Die regelmäßige Bereinigung inaktiver Accounts nach der 90-Tage-Schwelle ohne Login ist deshalb die Voraussetzung für eine belastbare USMM-Messung (Quelle: Redress Compliance, SAP License Compliance Tools: USMM, LAW, SLAW, STAR).

Ein zweiter blinder Fleck: USMM misst pro System. In einer Landschaft mit mehreren produktiven SAP-Systemen summiert USMM die Zahlen über alle Systeme, ohne zu erkennen, dass dieselbe Person in System A und System B ein Benutzerkonto hat. Diese Deduplizierung ist Aufgabe von LAW.


LAW: Konsolidierung und Deduplizierung über alle Systeme

LAW (License Administration Workbench, Transaktionscode SLAW2) ist das Multi-System-Konsolidierungstool. Seine Kernleistung liegt in der Deduplizierung: Wenn dieselbe Person in mehreren Systemen Benutzerkonten hat, zählt LAW sie im konsolidierten Report nur einmal (Quelle: SAP Help, License Administration Workbench).

Der LAW-Konsolidierungsprozess

Der Prozess folgt einem definierten Ablauf: USMM wird in jedem relevanten System ausgeführt und die Messdateien werden exportiert. Diese Einzeldateien werden in LAW importiert. LAW versucht, Benutzerkonten über Systeme hinweg automatisch zu matchen, über Name, E-Mail-Adresse und User-ID. Konten, die nicht automatisch zugeordnet werden können, müssen manuell gepflegt werden. Das resultierende konsolidierte Dokument ist der LAW-Report, der an SAP übermittelt wird.

Wo LAW an Grenzen stößt

Das User-Matching in LAW ist nicht fehlerfrei. Ein häufiges Beispiel: Dieselbe Person hat in ECC den Benutzernamen "BMAENDLE" und im BW-System "bernhard.maendle". LAW kann diese Konten nicht automatisch als identisch erkennen und weist sie als zwei separate Nutzer aus. Das Ergebnis ist eine künstlich erhöhte Lizenzzahl im konsolidierten Report.

Schlechte Datenhygiene bei der Vergabe von Benutzernamen ist deshalb nicht nur ein IT-Ordnungsproblem, sondern ein direkter Einfluss auf die Lizenzbasis. Organisationen mit konsistenten Namenskonventionen über alle Systeme reduzieren den manuellen Nacharbeitsbedarf in LAW erheblich.

Im PCE Metering ist LAW ein zentrales Element der Architektur: Die automatisierten Metering-Daten aus dem Kundensystem werden über LAW konsolidiert und über ein gesichertes, anonymisiertes Übertragungsprotokoll mit gehashten User-IDs an SAP übermittelt. SAP reichert die Daten mit den vertraglichen Entitlement-Informationen an und macht das Ergebnis im SAP for Me-Dashboard sichtbar.


SAM4U: Das neue Zentrum der laufenden Lizenzmessung

SAM4U (SAP Software Asset Manager) ist ein kostenloses Tool, das über SAP Note 3646933 im Kundensystem installiert wird. Ein wesentlicher Unterschied zu Cloud-basierten SAM-Lösungen: Die Daten verbleiben im Kundennetzwerk. Es gibt keine Übertragung an SAP oder an Drittanbieter (Quelle: SAP Note 3646933).

Was SAM4U bietet

SAM4U liefert ein interaktives Dashboard mit mehreren Funktionsbereichen, die den Steuerungsmoment Nutzung und den Steuerungsmoment Berechtigungen planbar machen:

Enhanced SAP Usage Tracking liefert präzisere und regelmäßigere Nutzungsdaten als klassisches USMM. Nicht nur wer im System ist, sondern was tatsächlich genutzt wird, wird erfasst. Das bildet die Grundlage für fundierte Klassifizierungsentscheidungen.

Optimized Opportunities identifiziert konkrete Umstufungsmöglichkeiten: Nutzer, bei denen eine Reklassifizierung von einem höheren auf einen niedrigeren FUE-Typ sachlich begründbar wäre, weil ihre tatsächliche Nutzung das niedrigere Niveau rechtfertigt. Damit wird aus einem Analyse-Tool ein aktives Steuerungsinstrument.

Authorization Simulation (neu ab Q4/2025) erlaubt es, Berechtigungsänderungen zu simulieren und deren Auswirkung auf den FUE-Gesamtbedarf zu bewerten, bevor die Änderungen umgesetzt werden. Das ist besonders relevant für den Steuerungsmoment Berechtigungen: Wer wissen will, welchen FUE-Effekt eine geplante Rollenoptimierung hat, kann das jetzt vor der Umsetzung kalkulieren, statt nach der Umsetzung zu messen.

Ab Q1/2026 steht eine Data API zur Verfügung, über die SAM4U-Daten in externe Reporting-Plattformen integriert werden können (Quelle: SAP Note 3646933, DSAG AK Lizenzen 11/2025). Das ermöglicht eine Einbindung in übergreifende Governance-Werkzeuge, ohne Daten aus dem Kundennetzwerk herauszugeben. FinOptory nutzt diese API als Datenbasis für die laufende Vertragssteuerung.

SAM4U und SAP for Me im Zusammenspiel

SAP for Me (me.sap.com/consumption) ist das Cloud-Portal für Entitlements und Verbrauchsübersicht. Das relevante Zugriffsrecht ist "License Utilization for Private Cloud". Im PCE-Kontext empfängt SAP for Me die über LAW konsolidierten und von SAP angereicherten Metering-Daten und macht sie als Dashboard zugänglich.

SAM4U und SAP for Me ergänzen sich: SAM4U analysiert und optimiert im Kundensystem, SAP for Me visualisiert das vertragliche Entitlement und den gemessenen Verbrauch auf Portal-Ebene. Wer beide nutzt, sieht sowohl die interne Optimierungsbasis als auch den externen Verbrauchsstand aus SAP-Perspektive.


PCE Metering: Wie es den Werkzeug-Einsatz verändert

Die Einführung des automatisierten PCE Meterings bei der Private Cloud Edition hat den Rhythmus der Lizenzmessung grundlegend verändert. Wo On-Premise-Kunden einmal jährlich messen, triggert SAP im PCE-Kontext monatlich und automatisch (Quelle: SAP cross-product compliance documentation, 2025).

Das verändert die Anforderungen an den Werkzeug-Einsatz in drei Punkten:

Frequenz. Der Steuerungsmoment Berechtigungen, der im On-Premise-Kontext einmal jährlich adressiert werden musste, ist im PCE-Kontext ein monatlicher Steuerungsmoment. Das PCE-Metering-Dashboard in SAP for Me sollte monatlich geprüft werden: Liegt der Verbrauch im erwarteten Rahmen? Gibt es Ausreißer, die auf Role Creep oder Fehlklassifizierungen hinweisen?

Timing. Rollenoptimierungen sollten vor dem monatlichen Metering-Zyklus abgeschlossen sein, nicht danach. Wer den Metering-Zeitpunkt nicht kennt, kann Optimierungen, die technisch fertig sind, im falschen Monat umsetzen und verpasst einen Steuerungsmoment.

Qualitätsgrenzen. In der Praxis zeigen sich bei PCE Metering bekannte Qualitätsgrenzen, die SAP weiter adressiert. Diskrepanzen zwischen automatisiertem Metering und internen Analysen wie STAR Reports sind dokumentiert. Die Empfehlung: Diskrepanzen schriftlich festhalten. Eine nicht dokumentierte Abweichung zwischen dem eigenen Verständnis der Berechtigungsstruktur und dem Metering-Ergebnis kann im Renewal-Kontext zum Nachteil werden (Quelle: DSAG AK Lizenzen 11/2025).


Zusammenspiel: Welches Tool für welche Aufgabe?

Die vier Werkzeuge haben komplementäre Funktionen und decken unterschiedliche Ebenen der Lizenzmessung ab:

WerkzeugPrimäre AufgabeTypischer Einsatz
USMMEinzelsystem-Vermessung, Named User und EnginesJährlich On-Premise, intern als Plausibilitätsprüfung im PCE-Kontext
LAWKonsolidierung und Deduplizierung über alle SystemeJährliche Konsolidierung für Annual Measurement, laufend im PCE Metering
SAM4ULaufende Analyse, Optimierung, SimulationMonatlich, quartalsweiser Self-Audit, vor PCE-Metering-Zyklus
SAP for MeDashboard Entitlements und Verbrauch aus SAP-PerspektiveMonatlich im PCE-Kontext, vor Renewal als Vergleichsbasis

Für eine vollständige Lizenz-Governance ist das Zusammenspiel der Tools entscheidend: USMM und LAW liefern die Messdaten. SAM4U analysiert und optimiert auf Basis dieser Daten plus eigenem Usage Tracking. SAP for Me zeigt, wie SAP den Verbrauch bewertet. Nur wer alle vier Perspektiven kennt, kann Abweichungen erkennen, bevor sie im Audit-Kontext sichtbar werden.


Was laufend stehen sollte

Ein strukturierter Governance-Rhythmus für den Werkzeug-Einsatz umfasst drei Ebenen:

Monatlich: PCE-Metering-Dashboard in SAP for Me prüfen. Verbrauch gegen Erwartungsrahmen abgleichen. Diskrepanzen dokumentieren.

Quartalsweise: SAM4U-Dashboard für Self-Audit nutzen. Inaktive Accounts nach 90-Tage-Schwelle identifizieren und bereinigen. Rollenoptimierungen auf Basis von Enhanced Usage Tracking und Authorization Simulation vorbereiten, Umsetzung vor dem nächsten Metering-Zyklus.

Jährlich: LAW-Konsolidierung über alle Systeme. Vollständige Klassifizierungsüberprüfung. Systembestand validieren, auch Nicht-Produktivsysteme.

Dieser Rhythmus ist keine Audit-Vorbereitung. Er ist die Grundlage dafür, dass der Steuerungsmoment Nutzung und der Steuerungsmoment Berechtigungen planbar genutzt werden, unabhängig davon, ob SAP gerade eine Messung anforderst oder nicht. Wer laufend misst, braucht keine reaktive Audit-Vorbereitung. Der Ist-Zustand ist bereits bekannt.


Weiterführende Artikel in dieser Reihe

Dieser Artikel ist Teil der Pillar-6-Reihe zu SAP-Lizenzmanagement und Reifegradmodell.

Wenn Sie klären möchten, welchen Werkzeug-Einsatz Ihre aktuelle SAP-Lizenz-Governance erfordert: Der Vertragscheck liefert in vier Wochen eine strukturierte Einschätzung des Ist-Zustands, inklusive Empfehlungen für den Governance-Rhythmus.


FAQ

Was ist der Unterschied zwischen USMM und SAM4U?

USMM ist das klassische SAP-Standardtool für die Einzelsystem-Vermessung: Es zählt Named User und Engine-Metriken pro System und erzeugt eine Messdatei für die Annual Measurement oder Enhanced Audits. SAM4U geht darüber hinaus: Es analysiert tatsächliche Nutzung, identifiziert Optimierungsmöglichkeiten bei der FUE-Klassifizierung und erlaubt ab Q4/2025 auch die Simulation von Berechtigungsänderungen vor der Umsetzung. USMM misst, SAM4U steuert.

Wofür brauche ich LAW, wenn SAM4U bereits konsolidiert?

LAW und SAM4U erfüllen unterschiedliche Konsolidierungsaufgaben. LAW ist das offiziell an SAP übermittelte Konsolidierungsdokument für die Annual Measurement und ist im PCE Metering die technische Infrastruktur für den Datentransfer. SAM4U konsolidiert intern für Optimierungszwecke, ist aber nicht das Übermittlungsdokument für SAP. Beide werden benötigt: LAW für die offizielle Compliance-Perspektive, SAM4U für die interne Steuerungsperspektive.

Wie verändert PCE Metering die Anforderungen an den Tool-Einsatz?

Im On-Premise-Kontext war einmal jährlich der entscheidende Messzeitpunkt. PCE Metering triggert monatlich und automatisch. Das bedeutet: SAP for Me sollte monatlich geprüft werden, Rollenoptimierungen sollten vor dem Metering-Zyklus abgeschlossen sein, und Diskrepanzen zwischen eigenem Verständnis und SAP-Metering-Ergebnis sollten laufend dokumentiert werden. Der Steuerungsmoment Berechtigungen ist im PCE-Kontext kein jährliches, sondern ein monatliches Thema.

Verbleiben SAM4U-Daten im eigenen System?

Ja. SAM4U ist kein Cloud-Service, sondern wird direkt im Kundensystem über SAP Note 3646933 installiert. Die Analysedaten verbleiben im Kundennetzwerk. Ab Q1/2026 steht eine Data API zur Verfügung, über die SAM4U-Daten in externe Plattformen exportiert werden können. Der Export ist optional und unter Kontrolle des Kunden.

Wie unterscheidet sich SAM4U von kommerziellen SAM-Tools?

SAM4U ist kostenlos und auf SAP-Lizenzmessung spezialisiert. Es deckt FUE-Klassifizierung, Enhanced Usage Tracking, Optimization Opportunities und ab Q4/2025 Authorization Simulation ab. Kommerzielle Software Asset Management-Tools haben einen breiteren Scope (alle Softwareprodukte), aber in der Regel keine vergleichbare SAP-spezifische Tiefe für FUE-Klassifizierung und berechtigungsbasierte Analyse. Für die SAP-Lizenz-Governance ist SAM4U das sinnvolle Instrument, das auf SAP-Vertrags- und Governance-Aspekte zugeschnitten ist.

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Dieser Beitrag gehört zum Themen-Hub SAP-Lizenzmanagement und Reifegradmodell. Für die Bewertung eines konkreten Vertrags liefert der FinOptory Vertragscheck in vier Wochen eine strukturierte Grundlage.

Bernhard Mändle
Geschrieben von Bernhard Mändle Managing Consultant, FinOptory for SAP®

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026