SAP Transition Option Antrag: Prozess und Dokumente, die Sie brauchen
Die SAP Transition Option verlängert den On-Premise-Betrieb auf SAP ERP Private Edition bis Ende 2033. Der Subskriptionszeitraum öffnet zwischen 2028 und 2030, der Service-Start beginnt frühestens am 1. Januar 2031. Was zwischen dem Entschluss und dem unterzeichneten Vertrag liegt, ist weniger dokumentiert als die Option selbst. Dieser Artikel beschreibt den Antragsweg, die notwendigen Unterlagen und was das Max Success Plan Commitment in der Praxis bedeutet.
Was die Transition Option voraussetzt: Zulassungsbedingungen im Überblick
Bevor der Antragsprozess beginnt, prüft SAP die technische und vertragliche Eignung. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
Enhancement Package. Nur Systeme auf EHP7 oder EHP8 für SAP ERP 6.0 sind in der Transition Option zulässig. Ältere Enhancement Packages, also EHP6 und früher, werden nicht unterstützt. Wer heute noch auf EHP5 oder EHP6 betreibt, muss vor der Transition-Option-Subskription ein EHP-Upgrade abschließen. Das ist kein optionaler Vorbereitungsschritt, sondern eine formale Eingangsvoraussetzung.
Systemgröße. Die Transition Option setzt eine Mindestgröße von 2 Terabyte voraus. Systeme unterhalb dieser Grenze sind nicht zugelassen. In der Praxis betrifft das vorwiegend kleinere Tochtergesellschaften oder regionale Systeme, die technisch eigenständig laufen.
Bestandskundenstatus. Die Transition Option steht ausschließlich bestehenden SAP ERP-Kunden mit aktivem Wartungsvertrag offen. Eine Neusubskription von SAP ERP über diesen Weg ist nicht vorgesehen.
Diese drei Punkte sollten Sie vor jeder weiteren Planung klären. Ein EHP-Upgrade dauert im Regelfall mehrere Monate. Wer den Bedarf erst 2028 feststellt, verliert wertvolle Zeit im Subskriptionsfenster.
Schritt 1: SAP-Systemlandschaft dokumentieren und Antragsbasis aufbauen
Der erste operative Schritt ist die Bestandsaufnahme der Systemlandschaft. SAP erwartet im Antragsprozess eine vollständige Beschreibung aller Systeme, die in die Transition Option aufgenommen werden sollen.
Dazu gehören:
- Systemkennung (SID) und installiertes Enhancement Package je System
- Aktuelles Infrastructure Sizing (SAPS, RAM, Datenbankgröße)
- Liste der aktivierten Add-on Product Versions (PVs)
- Übersicht der bestehenden Wartungsverträge und deren Laufzeiten
Der letzte Punkt ist relevant, weil die Transition Option nur Systeme und Add-ons abdeckt, die auf der offiziellen Available-Add-on-List stehen. Add-ons außerhalb dieser Liste, etwa bestimmte Drittanbieter-Erweiterungen oder nicht gelistete SAP-Eigenentwicklungen, werden nicht in den Transitionsscope übernommen. Wer diese Add-ons im Betrieb hält, benötigt eine separate Lösung.
Steuerungsmoment Infrastruktur: Das aktuelle Infrastructure Sizing bestimmt nicht nur die technische Eignung, sondern direkt den ACV der Transition Option. Ein unvollständiges oder veraltetes Sizing-Dokument erzeugt Nachfragen durch SAP und verlangsamt den Prozess. Aktuelle Sizing-Daten aus dem SAP Readiness Check oder einer aktuellen System-Messung sind die verlässlichste Grundlage.
Schritt 2: Add-on-Scope prüfen und nicht kompatible Komponenten identifizieren
Die Available-Add-on-List für die SAP ERP Private Edition Transition Option umfasst Komponenten aus den Bereichen Supply Chain, Finance, HCM, Compliance und Integration. Typische Beispiele: SAP EWM 9.5, SAP Revenue Accounting 1.3, HR Renewal 2.0, SuccessFactors EC Integration und SAP C4C ERP Integration 2.0.
Nicht enthalten sind ältere Eigenentwicklungen ohne S/4HANA-Pfad, nicht gelistete Branchenlösungen und Add-ons, die SAP bereits eingestellt hat. Für diese Komponenten gibt es in der Transition Option keinen Wartungspfad. Sie müssen entweder vor dem Service-Start migriert oder stillgelegt werden.
Der S/4HANA Compatibility Pack, der bestimmten Cloud-Kunden bis Ende 2030 verfügbar ist, greift in der Transition Option nicht automatisch. Klären Sie mit Ihrem SAP Account Executive explizit, welche Compatibility-Regelungen für Ihre spezifische Systemkonstellation gelten.
Praktischer Hinweis: Erstellen Sie eine zweispaltige Liste: Add-ons, die auf der Available-Add-on-List stehen, und Add-ons, die nicht auf der Liste stehen. Die zweite Spalte ist Ihr Migrationsplan. Je früher diese Liste vorliegt, desto früher können Abhängigkeiten zu Transformationsprojekten für betroffene Add-ons aufgebaut werden.
Schritt 3: Max Success Plan Transition Services verstehen und beantragen
Die Transition Option ist vertraglich mit einer Pflicht zum Max Success Plan Transition Services verbunden. Das ist keine optionale Zusatzleistung, sondern Bedingung für die Subskription.
Was der Max Success Plan in diesem Kontext umfasst:
Der Max Success Plan Transition Services beinhaltet priorisierte SAP-Support-Kapazitäten für die Transitionsphase, Zugang zu SAP-Expertenwissen für technische Migrationsbegleitung und SLA-Garantien für kritische Vorfälle. Konkret bedeutet das: schnellere Reaktionszeiten bei Support-Anfragen und ein dedizierter Customer Success Manager.
Die Kosten des Max Success Plan Transition Services erhöhen den Gesamtaufwand der Transition Option. Sie werden nicht separat verhandelt, sondern sind als Pflichtbestandteil in der Angebotsstruktur enthalten. Was in der Praxis häufig unterschätzt wird: Der Max Success Plan schafft auch eine Governance-Anforderung auf Kundenseite. SAP erwartet regelmäßige Checkpoints, eine benannte Ansprechperson und eine dokumentierte Migrationsroadmap.
Bereiten Sie vor dem Vertragsabschluss eine interne Klärung vor: Wer übernimmt die Rolle des Customer Success Plan Owners auf Ihrer Seite? Ohne diese Festlegung entsteht im Betrieb Unklarheit, wer mit dem SAP-Ansprechpartner kommuniziert.
Schritt 4: Angebotsanforderung und Vertragsverhandlung strukturieren
Der formale Antragsprozess beginnt mit einer Angebotsanforderung über Ihren SAP Account Executive. Die Transition Option wird nicht über den SAP Store oder ein Self-Service-Portal bestellt, sondern ausschließlich vertraglich mit SAP vereinbart.
Was Sie für die Angebotsanforderung vorbereiten:
- Ausgefüllte Systemlandschaftsdokumentation aus Schritt 1
- Bestätigte Add-on-Liste aus Schritt 2
- Interne Entscheidung zum Max Success Plan Owner
- Gewünschter Service-Starttermin (zwischen 1. Januar 2031 und 31. Dezember 2033, Kündigung 90 Tage zum Vertragsende möglich)
Das Angebot, das SAP daraufhin erstellt, enthält den ACV der Transition Option und den Aufschlag. Kunden, die vor Ende 2025 subskribiert haben, tragen keinen Aufschlag. Kunden, die zwischen 2028 und 2030 subskribieren, tragen einen Aufschlag von 20 Prozent gegenüber dem vergleichbaren SAP ERP Private Edition Preis. Diese Differenz wird im Angebot ausgewiesen.
Steuerungsmoment Kosten: Das Angebot von SAP ist kein Festpreis ohne Spielraum. Add-on-Scope, Sizing und Laufzeitsgestaltung beeinflussen den ACV. Wenn Sie den Scope vor der Angebotsphase vollständig dokumentiert haben, haben Sie eine fundierte Verhandlungsgrundlage. Wenn das Sizing veraltet ist, berechnet SAP auf der Basis interner Schätzwerte, die in der Regel konservativ ausfallen.
Schritt 5: Vertragsabschluss und Migrationsfrist verankern
Nach der Angebotsannahme wird die Transition Option als Addendum zum bestehenden RISE- oder On-Premise-Vertrag aufgesetzt. Drei Punkte sollten im Vertragstext ausdrücklich geregelt sein:
Subskriptionsfenster und Service-Start. Der Vertrag muss den Subskriptionsbeginn (frühestens 2028), den Service-Start (1. Januar 2031) und das späteste Ende (31. Dezember 2033) klar ausweisen. Ein offener Endzeitpunkt ist nicht zulässig, die Transition Option ist als zeitlich befristetes Überbrückungsmodell konzipiert.
Add-on-Scope. Die Liste der Add-on Product Versions, die unter die Transition Option fallen, muss als Anlage vollständig beigefügt sein. Add-ons, die nicht in dieser Anlage stehen, sind nicht abgedeckt, auch wenn sie technisch auf der Available-Add-on-List stehen.
Migrationsverpflichtung und S/4HANA-Pfad. Die Transition Option enthält keine Dauerverlängerungsoption über Ende 2033 hinaus. Im Vertragstext ist die Erwartung dokumentiert, dass der Kunde bis Ende 2033 auf S/4HANA migriert hat. SAP verankert in vielen Transition-Option-Verträgen einen expliziten Migrationsplan als Anlage. Wenn das der Fall ist, sollten Sie diesen Plan realistisch aufstellen: Ein zu ambitionierter Plan, der später nachgebessert werden muss, erzeugt Vertragsänderungsaufwand.
Was nach dem Vertragsabschluss beginnt
Der Vertrag ist unterschrieben. Die Transition Option läuft ab 2031. Was jetzt beginnt, ist die Steuerung.
Die Transition Option schiebt den Migrationsdruck bis Ende 2033 heraus, aber sie löst ihn nicht auf. Vier Steuerungsbereiche bleiben während der gesamten Transitionslaufzeit aktiv:
Nutzung: FUE-Entwicklung und User-Zuwächse auf dem On-Premise-System müssen laufend beobachtet werden. Wer während der Transition-Option-Laufzeit User-Zahlen oder Nutzungsintensität substanziell ausbaut, verändert die Grundlagen der späteren S/4HANA-Kalkulation.
Berechtigungen: Rollendesign und Berechtigungsstrukturen, die heute im ERP-System etabliert sind, wirken sich auf das FUE-Profil bei der späteren S/4HANA-Migration aus. Rollenkonsolidierung und Berechtigungsbereinigung sind keine Migrationsprojekte, sie sind laufende Governance-Aufgaben.
Infrastruktur: SLA-Überwachung auf dem On-Premise-System und Planung der Hyperscaler-Umgebung für S/4HANA laufen parallel. Wer in der Transition-Option-Laufzeit die Infrastrukturplanung für S/4HANA beginnt, hat mehr Spielraum für Sizing-Entscheidungen.
Kosten: ACV-Tracking, Add-on-Kosten und geplante S/4HANA-Investitionen müssen in einem Budget-Rahmen zusammengeführt werden. Die Transition Option erzeugt in den Jahren 2031 bis 2033 Kosten, die parallel zu den Migrationskosten anfallen. Wer das früh in der Finanzplanung abbildet, verhindert Budget-Engpässe zum ungünstigsten Zeitpunkt.
Fazit: Prozessklarheit als Steuerungsgrundlage
Die Transition Option ist eine dokumentationsintensive Entscheidung. Wer die fünf Schritte strukturiert durchläuft, hat am Ende nicht nur einen Vertrag, sondern eine vollständige Systemlandschaftsdokumentation, einen geprüften Add-on-Scope und eine verhandelte Grundlage für den S/4HANA-Migrationspfad. Wer den Prozess mit veralteten Daten oder fehlenden internen Klärungen beginnt, verlängert die Antragsdauer und verhandelt auf schwächerer Basis.
Das Subskriptionsfenster 2028 bis 2030 klingt weit entfernt. Der EHP-Upgrade-Aufwand, die Add-on-Inventur und die interne Entscheidungsabstimmung sind Aufgaben, die heute beginnen können.
Wenn Sie wissen möchten, welche Ihrer SAP-Systeme die Transition-Option-Voraussetzungen erfüllen und wo Add-on-Abhängigkeiten bestehen, sprechen Sie uns an. Ein Vertragscheck identifiziert in vier Wochen Ihre aktuelle Position, Ihren Optionsspielraum und die Datenbasis, die Sie für den Antragsprozess benötigen.
Weiterführend: SAP Transition Option: Mechanik, Fristen und der 20%-Aufschlag und der Hub Pillar 7: SAP On-Premise Migration.
Naechste Schritte
Wenn Sie Ihren aktuellen Vertrag auf Risiken und verfuegbare kommerzielle Hebel pruefen lassen moechten: Der FinOptory Vertragscheck ist ein Festpreis-Engagement, das in vier Wochen eine strukturierte Grundlage liefert.
Dieser Beitrag gehört zum Themen-Hub On-Premise-Migration und SAP Transition Option. Für die Bewertung eines konkreten Vertrags liefert der FinOptory Vertragscheck in vier Wochen eine strukturierte Grundlage.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026