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BS7-Roadmap

SAP Transition Option: Mechanik, Fristen und was der 20%-Aufschlag wirklich bedeutet

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Die SAP Transition Option verlängert On-Premise-Betrieb bis Ende 2033. Für Unternehmen, deren IT-Landschaft mehr Zeit für die vollständige Migration auf S/4HANA oder RISE benötigt, klingt das nach einem planbaren Aufschub. Die Entscheidung fällt jedoch nicht auf Basis des Zeitfensters allein. 20% Aufschlag auf den vergleichbaren Cloud-Preis, ein verpflichtender Max Success Plan und strikte EHP-Anforderungen verändern das Bild erheblich.

Wer diese Mechanismen versteht, bevor er subskribiert, behält Handlungsspielraum. Wer sie erst nach der Unterschrift entdeckt, steuert unter eingeschränkten Bedingungen.


Was die SAP Transition Option ist und für wen sie gedacht ist

Die Transition Option ist ein zusätzlicher Subscriptions-Pfad innerhalb von RISE with SAP (SAP ERP, private edition). Sie richtet sich an Bestandskunden mit aktiven SAP-ERP-6.0-Systemen, die bis Ende 2030 nicht vollständig auf S/4HANA konvertieren können oder wollen.

Der wesentliche Unterschied zu einem regulären RISE-Vertrag: Der Kunde subskribiert seinen bestehenden ECC-Stand in die Private Cloud, ohne sofort auf S/4HANA zu migrieren. Das System läuft technisch auf SAP-verwalteter Infrastruktur (Hyperscaler nach Wahl des Kunden), bleibt aber funktional ein ECC-System.

Wichtig für die Einordnung: Die Transition Option ist kein Dauerzustand und kein Ersatz für die S/4HANA-Migration. Sie ist ein zeitlich begrenztes Instrument, das Organisationen Planungszeit bis spätestens Ende 2033 verschafft.

Ein erster Steuerungsmoment liegt hier bereits: Wer die Transition Option als strategische Verlängerung einplant, muss sie von Anfang an mit einem realistischen Migrations-Zeitplan verknüpfen. Ohne diesen Rahmen läuft die Option ihrem eigenen Fristende entgegen.


Subskriptionsfenster 2028 bis 2030: Wann die Entscheidung fallen muss

Die Transition Option ist nicht unbefristet verfügbar. Das Subskriptionsfenster öffnet am 1. Januar 2028 und schließt am 31. Dezember 2030. Verträge, die in diesem Fenster abgeschlossen werden, können einen Service-Start ab 1. Januar 2031 vorsehen und laufen maximal bis 31. Dezember 2033.

Das bedeutet in der Praxis: Wer bis Ende 2027 auf RISE (PCE) migriert ist, fällt nicht in dieses Fenster und trägt keinen Extended-Maintenance-Aufschlag. Wer zwischen 2028 und 2030 subskribiert, hat die Transition Option als aktive Entscheidung. Wer das Subskriptionsfenster ohne Abschluss verstreichen lässt, verliert diese Option ersatzlos.

Die Fristenkette für Entscheidungsverantwortliche:

ZeitpunktEntscheidungsweiche
2026-2027Optionsbewertung: RISE bis Ende 2027 oder Transition Option?
Ende 2027Ende Mainstream Maintenance SAP ERP 6.0 EhP 6-8
01.01.2028Start Subskriptionsfenster Transition Option; Start Extended Maintenance On-Prem
31.12.2030Ende Subskriptionsfenster Transition Option
01.01.2031Frühester Service-Start im Rahmen der Transition Option
31.12.2033Ende Transition Option (kein weiterer Verlängerungsweg)

Ein zweiter Steuerungsmoment: Die Entscheidung für oder gegen die Transition Option muss vor Ende des Subskriptionsfensters fallen. Sie fällt nicht automatisch. Organisationen, die diesen Termin nicht aktiv verfolgen, verlieren die Möglichkeit, ohne sie zu haben.


Der 20%-Aufschlag: Wie er berechnet wird und was die Ausnahme bedeutet

Der meistzitierte Aspekt der Transition Option ist der Preisaufschlag. Er beträgt 20% gegenüber einem vergleichbaren SAP ERP Private Edition-Vertrag ohne Transition-Option-Bedingungen.

Was "vergleichbar" bedeutet, ist vertragsrelevant: Der Vergleichspreis bezieht sich auf die SAP ERP Private Edition mit equivalentem User-Volumen, gleicher Edition und gleichem Infrastruktur-Setup. Der Aufschlag wird auf diesen Vergleichspreis berechnet, nicht auf den aktuellen On-Premise-Maintenance-Betrag.

Die Ausnahme: Kunden, die ihre Transition Option vor dem 31. Dezember 2025 subskribiert haben, tragen diesen Aufschlag nicht. Dieses Frühzeitig-Subskribierer-Fenster ist geschlossen. Für alle Subskriptionen im Fenster 2028 bis 2030 gilt der 20%-Aufschlag ohne Ausnahme.

Für die Budgetplanung ist der Aufschlag ein Steuerungsmoment im Bereich Kosten: Der ACV der Transition Option liegt strukturell über dem Wert eines regulären RISE-Vertrags. Wer Extended Maintenance (On-Prem, +2 Prozentpunkte auf Maintenance Base) gegen Transition Option (Cloud, +20% auf Cloud-Preis) abwägt, kalkuliert zwei unterschiedliche Preislogiken. Welche günstiger ist, hängt vom jeweiligen Maintenance-Base-Volumen und den ACV-Parametern des Transition-Option-Angebots ab. Eine pauschale Aussage ist nicht möglich, eine strukturierte Kalkulation dagegen schon.


Max Success Plan: Was das bedeutet und was es kostet

Die Transition Option ist vertraglich an den Abschluss eines SAP Max Success Plans Transition Services gebunden. Das ist keine optionale Ergänzung, sondern eine Mindestanforderung.

Was ein Max Success Plan konkret enthält: erweiterte Unterstützung durch SAP für die Migrations- und Transformationsplanung, dedizierte Technical Advisory-Leistungen und Zugang zu SAP-internen Ressourcen für die S/4HANA-Vorbereitung. Die genaue Ausgestaltung variiert je nach Vertragsversion und Kundengröße.

Was das kostet: Der Max Success Plan ist ein separater Vertragsposten. Er wird nicht im 20%-Aufschlag subsummiert, sondern eigens berechnet. Für die Budgetplanung bedeutet das: Transition Option ACV + Max Success Plan-Kosten + allfällige Add-on-Kosten ergeben den Gesamtbetrag, der gegen die Alternative (reguläres RISE oder Extended Maintenance On-Prem) gestellt werden muss.

Ein dritter Steuerungsmoment: Der Max Success Plan ist keine rein administrative Bedingung. Er bindet Ressourcen auf SAP-Seite und setzt eine Erwartung an die organisatorische Migrationsbereitschaft. Wer die Transition Option subskribiert, aber keine aktive Migrationsplanung verfolgt, investiert in eine Verpflichtung ohne operativen Mehrwert.


EHP-Voraussetzung: Nur EHP7 und EHP8

Nicht jedes SAP-ERP-System kommt für die Transition Option in Frage. SAP hat die unterstützten Enhancement Packages auf EHP7 und EHP8 beschränkt.

Systeme auf EHP6 oder älteren Enhancement Packages erfüllen die Voraussetzungen nicht. Sie müssen vor der Transition Option auf mindestens EHP7 angehoben werden. Das ist ein Projektschritt mit eigenem Zeitaufwand, eigenen Kosten und eigenen Risiken.

Für die Entscheidungsvorbereitung bedeutet das: Wer die Transition Option in Betracht zieht, prüft zuerst, auf welchem Enhancement Package das System läuft. Ist eine EHP-Aktualisierung notwendig, gehört sie in die Projektplanung, bevor das Subskriptionsfenster 2028 relevant wird.


Verfügbare Add-on Product Versions in der Transition Option

Ein häufig unterschätzter Aspekt: Nicht alle Add-ons, die heute im On-Premise-System aktiviert sind, sind in der Transition Option verfügbar. SAP hat eine definierte Liste unterstützter Add-on Product Versions veröffentlicht.

Die verfügbaren Kategorien umfassen:

Supply Chain und Logistics EWM 9.5 (Extended Warehouse Management), APO 7.0 EHP4 als Connector-Add-on (nicht standalone), Digital Manufacturing Cloud Integration 6.0.

Finance und Treasury SAP Revenue Accounting 1.3 (IFRS 15), SAP Treasury and Risk Management (US), Financial Services Network Connector, Corporate Performance Management 2.0.

HR und HCM HR Renewal 2.0, SAP Fiori für HCM 2.0, SuccessFactors Employee Central Integration, Manager Self-Service 1.0.

Compliance und Invoicing Global Invoicing 2.0, Document Builder Management 8.1.

Integration und Plattform SAP Cloud for Customer Integration 2.0, Configure Price Quote Integration, PLM System Integration 2.0, Multi-System Payment Connector.

Was nicht in dieser Liste steht, ist in der Transition Option nicht verfügbar. Ältere Add-on-Versionen ohne S/4HANA-Äquivalent stellen ein eigenes Migrationsproblem dar: Sie können in der Transition Option nicht weitergeführt werden und erfordern entweder eine Ablösung oder einen Verzicht.

Ein vierter Steuerungsmoment im Bereich Infrastruktur: Jedes aktivierte Add-on beeinflusst das Infrastructure Sizing und damit den ACV. Der Schritt "Add-on-Inventur vor Transition-Option-Entscheidung" ist nicht optional, sondern Grundlage einer validen Kalkulation.


Wann die Transition Option die richtige Wahl ist und wann nicht

Die Transition Option ist ein Instrument für spezifische Situationen, kein Standardpfad.

Sie ist sinnvoll, wenn: Komplexe Systemlandschaften mit vielen Add-on-Abhängigkeiten mehr als drei Jahre Migrationsvorlauf benötigen. Wenn Regularien, laufende Transformationsprojekte oder Ressourcenkapazitäten eine Migration bis Ende 2027 nicht erlauben. Wenn die Organisation eine klare S/4HANA-Migrationsplanung hat und nur den Zeitrahmen strecken muss.

Sie ist weniger geeignet, wenn: Der Hauptgrund für die Option Planungsunsicherheit ist, keine konkrete Migrationsabsicht dahintersteht oder die Kalkulation ergibt, dass reguläres RISE vor dem Stichtag Ende 2027 günstiger ist. Und ausdrücklich: Die Transition Option ist kein Dauerzustand. Ende 2033 endet sie ohne weiteren Verlängerungsweg.


Fristenkette und nächste Schritte für Entscheidungsverantwortliche

Die fünf Schritte zur strukturierten Transition-Option-Entscheidung:

  1. EHP-Status klären: Läuft das System auf EHP7 oder EHP8? Falls nicht, ist eine EHP-Aktualisierung in die Planung aufzunehmen.
  2. Add-on-Inventur: Welche Add-ons sind aktiviert? Welche davon sind in der Transition-Option-Liste? Welche erfordern ein S/4HANA-Äquivalent?
  3. Kalkulation Transition Option vs. Alternativen: ACV Transition Option (inkl. Max Success Plan) gegen Extended Maintenance (On-Prem, +2%) und reguläres RISE (Migration bis Ende 2027) rechnen.
  4. Migrationsplanung verknüpfen: Die Transition Option hat ein hartes Enddatum 31.12.2033. Ohne Migrationsplan bleibt sie eine offene Verpflichtung.
  5. Subskriptionsfenster verfolgen: Das Fenster 2028 bis 2030 ist nicht automatisch. Wer subskribieren will, handelt aktiv.

Wer steuert diese Entscheidung nach der Unterschrift?

Die Transition-Option-Entscheidung ist kein einmaliger Vertragsabschluss. Sie eröffnet eine mehrjährige Steuerungsaufgabe.

Im laufenden Betrieb entstehen Steuerungsmomente in allen vier Bereichen: Nutzungsentwicklung der User-Lizenzen unter der neuen Vertragsstruktur, Berechtigungsdesign im Hinblick auf die spätere S/4HANA-Konvertierung, Infrastruktur-SLAs im RISE-Umfeld und ACV-Tracking inklusive Add-on-Kosten und Max-Success-Plan-Positionen.

Was nach der Unterschrift fehlt, wenn keine Systematik vorhanden ist: Das Subskriptionsfenster ist ausgenutzt, der Vertrag läuft, aber die Steuerung der Laufzeitparameter erfolgt reaktiv. Derived Charges, ACV-Abweichungen und Add-on-Entwicklungen bleiben ohne Gegenstück im Monitoring.

Genau hier liegt die Frage, die jede Governance-Diskussion strukturiert: Wer steuert SAP-Verträge nach der Unterschrift?


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Bernhard Mändle ist Managing Consultant bei FinOptory und begleitet SAP-Vertragssteuerung nach der Unterschrift. Auf LinkedIn vernetzen

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Dieser Beitrag gehört zum Themen-Hub On-Premise-Migration und SAP Transition Option. Für die Bewertung eines konkreten Vertrags liefert der FinOptory Vertragscheck in vier Wochen eine strukturierte Grundlage.

Bernhard Maendle
Verfasst von Bernhard Maendle Managing Consultant, FinOptory fuer SAP

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026