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SAP-Vertragskosten verursachergerecht zuordnen

Cost Allocation SAP RISE Contract Governance FinOps

Ein SAP RISE Vertrag bündelt Infrastruktur, Plattform und Anwendung in einem kommerziellen Rahmen. Für die meisten Unternehmen ist SAP damit einer der größten Kostenblöcke im IT-Budget. Die Rechnung geht an eine zentrale Stelle. Die Nutzung verteilt sich auf mehrere Geschäftsbereiche.

Das ist kein Problem. Es ist die logische Folge zentraler Beschaffung. Die Frage ist: Wie lässt sich diese Investition so aufschlüsseln, dass jeder Bereich versteht, welchen Anteil er nutzt und welchen Beitrag er leistet?

Kostentransparenz als Steuerungsinstrument

Wenn SAP-Vertragskosten zentral getragen werden, fehlt den Fachbereichen eine wichtige Steuerungsgröße. Nicht weil jemand einen Fehler gemacht hat, sondern weil die Vertragsstruktur diese Zuordnung nicht automatisch abbildet.

Ein RISE-Vertrag ist kommerziell vielschichtiger als ein klassischer Lizenzvertrag. Er enthält einen sogenannten Annual Contract Value (ACV), also den jährlichen Vertragswert, der sich über die Laufzeit verändern kann. Dazu kommen Positionen wie BTP Credits, ein Guthaben für die SAP Business Technology Platform, das bei Nichtnutzung verfällt. Oder Derived Charges, zusätzliche Gebühren, die SAP automatisch auf Basis der genutzten Module berechnet. Jede dieser Positionen folgt eigenen kommerziellen Regeln.

Diese Komplexität macht eine einfache prozentuale Verteilung schwierig. Gleichzeitig ist genau diese Aufschlüsselung der Schlüssel zu fundierten Budgetgesprächen und gezielten Investitionsentscheidungen.

Anforderungen an eine belastbare Zuordnung

Eine verursachergerechte Kostenzuordnung für SAP-Verträge stellt spezifische Anforderungen:

Sie muss die Vertragsstruktur verstehen. Nicht nur den Gesamtbetrag, sondern die Zusammensetzung: Welche Positionen sind nutzungsabhängig, welche fix? Wie entwickelt sich der jährliche Vertragswert über die einzelnen Vertragsphasen?

Sie muss mehrere Verteilungsmodelle unterstützen. Je nach Unternehmenskontext ist eine benutzerbasierte, systembasierte oder manuell vereinbarte Verteilung sinnvoll. Oft braucht es alle drei Varianten parallel für unterschiedliche Vertragsbestandteile.

Sie muss laufend aktuell bleiben. Eine einmalige Zuordnung veraltet mit dem nächsten Vertrags-Amendment, der nächsten Phase oder einer veränderten Systemlandschaft.

Und sie muss in die bestehenden Finanzprozesse einfließen: Buchungskreis, Kostenstelle, Kostenart. Idealerweise als direkter Import in SAP FI/CO, ohne manuellen Zwischenschritt.

Bestehende Werkzeuge und ihre Stärken

Im SAP-Umfeld gibt es spezialisierte Werkzeuge, die jeweils einen Teil dieser Anforderungen abdecken.

Lizenzmanagement-Plattformen bringen tiefe Expertise in der Zuordnung von Lizenztypen zu Benutzern. Sie optimieren, welcher Mitarbeiter welche Lizenz benötigt, und unterstützen bei der Compliance. Ihr Fokus liegt auf einzelnen Benutzerlizenzen, nicht auf der kommerziellen Gesamtstruktur eines Subscription-Vertrags.

IT-Financial-Management-Systeme verteilen IT-Kosten auf Geschäftsbereiche. Sie arbeiten laufend und automatisiert. SAP ist für sie einer von vielen IT-Kostenblöcken. Die Besonderheiten eines RISE-Vertrags, etwa Vertragsphasen mit unterschiedlichen Konditionen oder plattformgebundene Guthaben, liegen außerhalb ihres Kerngebiets.

Spezialisierte Beratungen verstehen SAP-Verträge im Detail. Sie unterstützen bei Verhandlung und Bewertung. Ihr Engagement ist typischerweise projektbasiert und endet nach der Analyse.

Jeder dieser Ansätze bringt Wert. Was bisher fehlt, ist die Verbindung: eine laufende Kostenzuordnung, die auf der tatsächlichen SAP-Vertragsstruktur basiert.

Cost & Allocation in FinOptory

Wir haben dieses Modul als Teil der laufenden Vertragssteuerung in FinOptory entwickelt. Nicht als separates Tool, sondern als Erweiterung der bestehenden Contract Intelligence.

Organisationsstruktur abbilden

Sie definieren Ihre Unternehmenshierarchie in bis zu drei Ebenen, etwa Gesellschaft, Bereich und Kostenstelle. Jede Einheit kann mit SAP-Stammdaten wie Buchungskreis und Kostenstellennummer verknüpft werden, die direkt in den Export einfließen.

Drei Verteilungsmethoden

Je nach Situation wählen Sie die passende Methode:

  • Manuell (feste Prozentsätze) — Sie legen fest, welcher Bereich welchen Anteil trägt. Geeignet, wenn die Aufteilung intern vereinbart ist.
  • Benutzerbasiert — Die Kosten verteilen sich proportional zur Anzahl der SAP-Anwender pro Bereich. Ändert sich die Zuordnung, passt sich die Verteilung an.
  • Systembasiert — Die Kosten verteilen sich proportional zu den zugeordneten SAP-Systemen wie Entwicklung, Test und Produktion.

Regeln können für das gesamte Vertragsportfolio oder für einzelne Verträge gelten. Pro Gültigkeitsbereich ist immer genau eine Regel aktiv.

Showback-Dashboard

Eine Übersicht, die zeigt, wie sich die Vertragskosten auf die Organisationseinheiten verteilen. Gesamtkosten, Zuordnungsgrad und Budgetvergleich pro Einheit auf einen Blick. Nicht zugeordnete Anteile werden transparent ausgewiesen.

Chargeback-Export

Die Zuordnungsdaten lassen sich als CSV im SAP-FI/CO-Format exportieren: Buchungskreis, Kostenstelle, Kostenart, Betrag und Periode. Ergänzend gibt es einen Excel-Export mit Zusammenfassung. Jeder Export wird als Snapshot gespeichert und ist revisionssicher nachvollziehbar.

Der Zusammenhang zur Vertragssteuerung

Die Kostenzuordnung nutzt dieselben Vertragsdaten, die auch für die Überwachung von Vertragsphasen, Fristen und Renewal-Vorbereitung verwendet werden. Wenn sich der Vertrag ändert, ein Amendment hinzukommt oder eine neue Phase beginnt, aktualisiert sich die Kostenbasis automatisch.

Für Unternehmen mit mehreren SAP-Vertragstypen im Portfolio, etwa RISE, BTP, SuccessFactors oder klassische On-Premise-Lizenzen, entsteht damit eine durchgängige Kostensicht über alle kommerziellen Modelle hinweg. Nicht als isolierte Finanzfunktion, sondern als integraler Bestandteil der Vertragssteuerung.

Fazit

Verursachergerechte Kostenzuordnung ist kein Selbstzweck. Sie schafft die Grundlage, damit Fachbereiche ihre SAP-Investition bewusst steuern können. Wenn diese Zuordnung direkt aus den Vertragsdaten kommt und sich laufend aktualisiert, wird sie von einer Pflichtübung zu einem echten Steuerungsinstrument.

Wenn Sie wissen möchten, wie das in Ihrer konkreten Situation aussieht: Sprechen Sie uns an.

Bernhard Mändle
Geschrieben von Bernhard Mändle Managing Director, FinOptory for SAP®