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FinOps für SAP

State of FinOps 2026: Was SAP-Kunden daraus lernen sollten

FinOps SAP RISE Contract Governance Licensing

Der State of FinOps 2026 Report der FinOps Foundation ist erschienen. Die zentrale Botschaft: FinOps ist kein Cloud-Thema mehr. Es ist ein Technologie-Thema. Was nach einer schrittweisen Erweiterung klingt, hat für SAP-Kunden konkrete Konsequenzen.

Drei Datenpunkte aus dem Report verdienen besondere Aufmerksamkeit, wenn Sie einen SAP RISE Vertrag betreiben oder verhandeln.

1. Licensing-Management wächst am stärksten (+15 %)

64 % der befragten Organisationen managen heute aktiv ihre Lizenzkosten — ein Anstieg von 15 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Damit wächst Licensing schneller als jede andere FinOps-Disziplin außer AI.

Für SAP-Kunden ist das ein klares Signal: Der Markt hat erkannt, dass Lizenzverträge nicht „einmal unterschrieben und dann vergessen" werden können. Besonders bei SAP RISE, wo Compute, Lizenzen, Support und Services in einem Bundle-Vertrag stecken, fehlt vielen Unternehmen die Transparenz über die einzelnen Kostenbestandteile.

Was das konkret bedeutet: Wenn Sie heute keinen strukturierten Überblick haben, welche Positionen in Ihrem SAP RISE Vertrag welchen Anteil am ACV ausmachen, stehen Sie bei der nächsten Renewal-Verhandlung ohne Vergleichsgrößen da. Andere Unternehmen bauen diese Kompetenz gerade auf.

2. Private Cloud und Data Center sind jetzt FinOps-Territorium

57 % managen Private-Cloud-Kosten (+ 18 %), 48 % Data Center (+ 12 %). FinOps beschränkt sich nicht mehr auf Public Cloud. Das ist relevant, weil SAP RISE technisch auf einem Hyperscaler läuft, aber vertraglich eher wie eine Private Cloud funktioniert: feste Commitments, definierte Laufzeiten, begrenzte Skalierungsflexibilität.

Die klassischen FinOps-Werkzeuge — Tagging, Rightsizing, Spot Instances — greifen bei SAP RISE nicht. Was greift: Contract Governance. Also die systematische Steuerung von Vertragsinhalten, Optionen und Fristen.

Der Report bestätigt: Unternehmen suchen zunehmend nach einer „Single Pane of Glass" über alle Technologie-Ausgaben hinweg. Bei SAP RISE bedeutet das, Lizenz-, Infrastruktur- und Service-Kosten in einer Sicht zusammenzuführen — nicht in drei verschiedenen Tabellen.

3. FinOps wird strategisch — und sitzt jetzt am Verhandlungstisch

78 % der FinOps-Teams reporten heute an CTO oder CIO. Teams mit Executive-Sponsorship haben 2- bis 4-mal mehr Einfluss auf die Auswahl von Cloud-Providern und -Services.

Übersetzt auf SAP RISE: Wer FinOps-Methoden auf seinen SAP-Vertrag anwendet, verhandelt besser. Nicht weil die Zahlen anders werden, sondern weil die Entscheidungsgrundlage eine andere ist.

Der Report zeigt außerdem, dass FinOps-Leader zunehmend an Multi-Year-Investment-Planung und strategischen Provider-Verhandlungen beteiligt sind. Genau das sind die Disziplinen, die bei einem 5-Jahres-SAP-RISE-Vertrag über Millionenbeträge entscheiden.

Was fehlt: FinOps für SAP ist noch eine Lücke

Der Report zeigt, wohin sich der Markt bewegt. Was er nicht zeigt: eine reife Methodik für SAP-Vertragslandschaften. Die FinOps Foundation hat ihre Mission von „Cloud" auf „Technology" erweitert, aber die Werkzeuge und Frameworks für komplexe Bundle-Verträge wie SAP RISE fehlen noch.

Die Top-Erweiterungswünsche der Befragten — AI Workloads, Data Center, SaaS/PaaS — schließen SAP implizit ein, adressieren es aber nicht explizit. Das ist die Lücke, in der Unternehmen heute selbst aktiv werden müssen.

Drei Fragen für Ihre nächste Steuerungsrunde

  • Haben Sie Transparenz über die Kostenbestandteile Ihres SAP RISE Vertrags — Lizenzen, Compute, Support, Services getrennt?
  • Gibt es eine klare Ownership für Vertragssteuerung, Fristen und Renewal-Vorbereitung — oder verteilt sich das auf mehrere Abteilungen ohne zentrale Sicht?
  • Nutzen Sie die 12–18 Monate vor dem nächsten Renewal aktiv, um Vergleichsgrößen, Szenarien und Verhandlungsspielräume aufzubauen?

Wenn Sie bei einer dieser Fragen zögern: Sie sind nicht allein. Der State of FinOps Report zeigt, dass 64 % des Marktes gerade erst anfangen, Licensing systematisch zu steuern. Die Frage ist nicht, ob — sondern wann.

Fazit

Der State of FinOps 2026 bestätigt: Die Branche bewegt sich von Cloud-Kostenoptimierung zu umfassender Technology-Value-Steuerung. Licensing, Private Cloud und Multi-Year-Verträge rücken in den Fokus. Für SAP RISE Kunden heißt das: Contract Governance ist kein Nice-to-have. Es ist der FinOps-Ansatz, der für Ihre Vertragsstruktur tatsächlich greift.

Den vollständigen State of FinOps 2026 Report finden Sie unter data.finops.org.

Bernhard Mändle
Geschrieben von Bernhard Mändle Managing Director, FinOptory for SAP®